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scheint uns dies die wahrscheinlichste Deutung zu sein: Mit jenertonischen Contraction sperren wir, wie wir nachgewiesen haben, dieganze Urethra ab und schliessen zugleich das Ostium, das der Detru-sor direct aufreissl. Dadurch wird der Detrusor genöthigt , sich mitaller Kraft über einem vollständig incompressiblen Inhalt zusammen-zuziehen, was ihn rasch ermüdet und zur Ruhe bringt.
Elektrische Reizung der Blase.
Die elektrische Behandlung der Blase, welche bei allen Thera-peuten eine grosse Bolle spielt, forderte uns auf, näher zu studiren,auf welche Art und Weise sie wirkt.
Was zunächst die galvanische Reizung anbetrifft, so ergabdieselbe niemals völlig sichere Blasencontractionen. Wir haben Ver-suche angestellt bei drei Männern und einer Frau; ein Mann und eineFrau verfügten über ganz normale Blasen, die beiden anderen warenetwas gedehnt. Die angewandten Ströme betrugen 2—5, ja bis 10und 20 Milliamperes. Bei der indirecten Galvanisation wurden diePole aufgesetzt: der eine auf die Brust oder Wirbelsäule oder aufden Damm, der andere wurde durchs Rectum bis an die Prostatageführt, oder auf der Symphyse gelassen; bei der directen Gal-vanisation wurde ein Pol vermittelst eines mit feinem Kautschuk-schlauch überzogenen Metallkatheters direct mit der Blasenwand inVerbindung gebracht, während der andere Pol entweder auf dieSymphyse oder die Lendenwirbelsäule oder ins Rectum zu liegenkam. In allen diesen Stellungen wurde gereizt durch Schliessungdes Stroms, derselbe eine Zeit lang geschlossen gelassen, dann ge-öffnet, hierauf mit dem Stromwender die Pole gewechselt und dergleiche Vorgang wiederholt. Dabei entstanden bei Stromstärkenunter 10 Milliamperes gar keine Veränderungen in dem mit der Blaseverbundenen Manometer. Nur bei der directen Galvanisation zeigtesich, dass Ströme von 10—15 Milliamperes nichts ausrichteten, solange in der Blase die Anode war; wurde der Strom gewendet, soklagten die Individuen beim Schluss über unerträglichen Schmerzund es kamen Drucksteigerungen bis zu 15 Cm. vor. Wir wagenindessen nicht, dieselben mit Sicherheit auf Blasencontractionen zu-rückzuführen, da zugleich die Abdominalmuskeln in Contraction zugerathen schienen. Der Widerstand ist dabei ein äusserst geringer.Dieselbe Anzahl Elemente, mit der wir z. B. einen Armmuskel kaumzur Contraction bringen, genügt, um einen Strom von 15 — 20 Milli-amperes zwischen Blasenschleimhaut und Symphyse zu etabliren.
Bei Anwendung von sehr starken Strömen sieht man bei jeder