Band 
[Erster Theil.]
Seite
XXIII
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an einen Freund.

zu entscheiden. Meine mürnqen Stunden gemessen dererwünschten Freyheit, mich in den Wissenschaften nurmit dem zu beschafftigen, was mir schön, angenehmund betrachtnnqswürdig ist. Meiner Dichterer) ist,wie ich mir schmeichle, nicht nachteilig, daß ich umweniger unwissend zu seyn, die besten Muster der Altenund Neuern mir täglich bekannter mache, obwohl ichdadurch weit mehr suche, gebessert, klüger, oder auch,zu Zeiten, aufgeräumter, als sinnreich und dichterischzu werden. Bey den Büchern, die ich in verschiede-denen Absichten, gelesen, sind mir Gedanken eingefallen,die rch, jedoch zu selten, so wie einige Stellen, durchwelche sie vielleicht veranlasset worden, mir aufgezeich-net , und, oft lange hernach, der Poesie gewidmet ha-be. Mein Gedächtniß, ich will es gerne gestehen, istzuweilen zerstreut, eigensinnig, und, wie das Gedächt-niß vieler, die wir kennen, etwas wetterläunisch. Oftleidet es unter der Bürde anderer Gedanken, did nichtsweniger als poetisch oder critisch sind.

Die feurigste Einbildungskraft läuft Gefahr auszu-schweifen : der sicherste Geschmack wählet oft zu will--kührlich: der schönste Witz ist nicht selten betrüglich,wo er nicht blosserdings gefallen, sondern auch unterrich-ten soll. Auch ein Poet muß oft eine Materie, die ernützlich zu erörtern suchet, völlig erlernen, sie ganz,

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