778 Streitigkeiten
keit, wahrhaftig gute Werke zu thun, zu su-chen, welches die Gegner der Pelagianer al-lerdings behaupteten, diese aber leugneten.
Lnm. Die von uns -verneinete» Säze sind zwar von denpelagianern den Gegnern zur Last geleget worden, eswar aber doch Consequenzmacherei. Jene leugneten nurdie Möglichkeit des Gebrauchs des freien Willens zumGuten, nicht aber das Daseyn dieses freien Willens,als einer cspscitstis psslwse.
VIII. Es wurde nicht gefraget, ob die Lust,(concupilcemia) das Verlangen nach sittli-chem Vergnügen, in dem Menschen nach demFal sey, auch nicht, ob durch den Misbrauchderselben Sünde entstehen könne, welches diePelagianer nicht leugneten, sondern theils,ob diese Lust, in so ferne sie in den Wieverge-bohrnen (renaris) sey, wirklich Sünde; odervielmehr dem Menschen wesentlich, und dahergut sey? da denn den ersten Theil die PelMgianer leugneten, und den lezrern bejahrten, ih-re Gegner es aber umkehrten; theils, ob dieseinnere Neigung zum Bösen die Ursach der wirk-lichen Sünden sey, oder ob vielmehr diese Sün-den allein durch böse Beispiele und Gewohnhei-ten wirklich werden, da denn die Pelagianerdas lezte, die Gegner das erste behaupteten.
Anm. Wir haben schon oben gesaget, daß bei dieser Streit«frage die meiste Dunkelheit herrsche, und ist besondersin der römischen Kirche noch mehr verwirret worden.Wenn wir es wagen dürfen, unsere Muhtmaßung zusagen, so scheinet uns der langwierige Streit von derLust, zumal zwischen Augustino und Julians, dahinabgezielet zu haben, daß jener die Vermeidung aller Un-ordnungen bei den sinnlichen Begierden vor moralisch
unmög-