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Bruder. Laß uns scheiden. Willst du zur Linken, so willich zur Rechten; oder willst du zur Rechten, so will ich zurLinken." So schieden sie im Frieden voneinander und Lotwanderte dem Jordan zu, Abraham aber zeltete in derGegend von Hebron .
21. Etwas vom Zählen^ oder: Wie vieleeiner zu einem Dutzend brauchte. (152)
Gottlieb, der bei einem Schneidermeister in der Lehre war,mußte für diesen oft kleine Aufträge ausrichten. Einmalschickte ihn der Meister zum Krämer, um ein Dutzend Näh-nadeln zu holen. Der Krämer hatte viel zu tun und sagte zuEottlieb: „Dort in jener Schachtel sind die Nadeln; zähleselber zwölf heraus." Gottlieb gehorchte, aber statt 12 legteer 13 auf die Seite. „Hast du abgezählt?," fragte der Händ-ler. „Ja! Wie viel kosten sie?" „18 Rappen." Gottliebwickelte die 13 Nadeln in ein Papier und wollte zur Türehinaus.
Da legte sich plötzlich eine schwere Hand auf seine Schulter,eine Stimme fragte sehr ernst: „Sind es auch wirklich 12?"Erschrocken schaute der Schneiderjunge sich um und blicktein das Gesicht des alten Posthalters, der hinter ihm stand undjene Frage gestellt hatte. Mit zitternder Stimme sagte Gott-lieb: „Nein! es sind 13," wickelte das Papier auf und legtedie gestohlene Nadel wieder in die Schachtel.
Der Mann aber hob den Zeigfinger auf und sagte leise:„Mein Sohn! Denke dein Leben lang an die 13 Nadelnund an das Gebot: Du sollst nicht stehlen! Man kann beieiner Nadel stehlen lernen: jetzt mache, daß du aus demLaden kommst, damit die Sache unter uns bleibt und nichtauch andere Leute etwas davon merken."
Laß liegen, was dir nicht gehört,
Ist es auch keinen Rappen wert.
(Fisler, Geschichten z. Vorerz.)