17
und setzte sich lachend an den Ambos. Mit der Zeit erwarber sich aber die Fertigkeit, einen guten Schuhnagel zu machen.
Einige Zeit darauf verheerte ein Krieg das Land und derjunge Herr von Sitz verlor alle seine Güter. Arm und ver-einsamt wanderte er nun von Dorf zu Dorf. Dabei kam ereinst in eine Gegend, in welcher viel für die Armee gearbeitetwurde. Da sah er, daß die Schuhmacher für ihre Nagel vielGeld in die entfernte Stadt trugen, ja selbst kaum solche be-kommen konnten. Da erinnerte sich in seinem Elend der armevornehme Herr, daß er es wohl gelernt habe, gute Schuh-nägel zu machen. Er erbot sich nun den Schuhmachern injenem Dorfe ihnen Nagel zu liefern, wenn sie ihm eine Werk-stätte einrichten wollten. Mit Freuden gingen sie auf seinenVorschlag ein und Herr von Sitz fand als Handwerksmannsein reichliches Einkommen.
„Es ist doch gut," sagte er manchmal, „wenn man auchnur einen Schuhnagel machen kann. Das tut mir jetzt bessereDienste als das schönste Landgut."
26. Der Hirtenknabe. (i83)
Ein Hirtenknabe hütete einst in blumigem Tale zwischenwaldigen Bergen die Schafe, er sang und jubelte dazu vorLust und Freude. Da sah ihn der Fürst des Landes, der injener Gegend jagte, rief ihn zu sich und fragte ihn: „Warumbist du denn gar so lustig, lieber Kleiner?" — „Warumsollte ich nicht lustig sein? Unser Fürst ist ja nicht reicher alsich." — „So?" sprach der Fürst, der merkte, daß der Knabeihn nicht kannte, „laß doch einmal hören, was du alles hast!"
Verwundert sagte das Hirtenbübchen: „Die Sonne andem schönen, blauen Himmel scheint für mich so freundlich wiefür den Fürsten und Berg und Tal grünen und blühen fürmich so schön wie für ihn. Meine beiden Hände gäbe ich nichtfür hunderttausend Gulden und meine beiden Augen wärenmir für alle Kostbarkeiten der fürstlichen Schatzkammer nichtfeil. Dazu habe ich alles, was ich wünsche,- denn ich begehrenicht mehr als ich nötig habe. Ich esse mich täglich satt,
Karl Schweizer, Lesebuch für den Religionsunterricht. S.Auflage. 2