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40. Ein Kriegsbild aus dem Jahre 1870. ( 49 )
Stelle dir vor, du seiest in deiner eigenen Heimat; denk'an deine Eltern, deine Bruder, dein Haus, dein EigenturnlWas die Plünderer nicht fortgerissen, liegt zerbrochen, zer-stört, zerstreut am Boden. Du tappst nur so herum. DasHaus ist auch nicht mehr dein; überall liegen die Verwun-deten und schreien nach Rettung. O! dieses Schreien! O!dieses Schreien!
Aber jetzt komm mit auf die Straße und schau das Dörf-chen an in seiner kläglichen Zerrüttung! Kennst du's noch?Siehst du die Löcher in den Dächern? Das haben dieKugeln und Granaten getan. Siehst du, wie die Fenster, dieLäden, die Türen zerschossen und zerschlagen herumliegen?Das hat der letzte Sturm angerichtet, der Straßenkamps,die Wut der Soldaten. Du stolperst über Leichname, Waffen-trümmer, tote Pferde. Es wird dir bange? Du mußt nichtweinen; komm mit ins Oberdorf! Schau, wie's allenthalbennoch raucht und flackert! Und wo sind die Heimatlosen?Da stehen sie vor den Ruinen ihrer Habe und heulen, daßsich die Steine darob erbarmen möchten: „Ach Gott ! wo-hin? Wo aus? Wo ein?"
Aber laß uns eilen; 's ist Sonntag heute. Da stehen dieausgebrannten Kirchenmauern. Schau hinein in die glühendeFeuermafse: die Friedhofmauer, die Grabsteine in Trüm-mern, das Schulhaus zusammengeschossen, ganze Häuserreihenniedergebrannt. Begleite mich weiter! Schau deinen ver-wüsteten Garten! Da standen vorgestern noch Soldaten;du hast sie gegen fünf Uhr noch brüllen hören wie wildeTiere. Doch sieh dort: unterm Apfelbaum liegt einer, derbrüllt nicht mehr; sein Angesicht ist schrecklich verzerrt, derMund voll Erde, die Hand krampfhaft auf die Brust ge-drückt, wo die tötliche Kugel ihn getroffen. Komm weiter!Du bebst zurück? Da liegen Leichen, zehn, nein zwanzig,nein fünfzig, nein hundert! Nicht wahr, das ist grauenhaft!Du kannst den Anblick solchen Würgens nicht ertragen.