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Lesebuch für den Religionsunterricht an den Gemeinde- und Bezirksschulen des Kantons Aargau / erstellt von Karl Schweizer
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der Haide und zu den verkommenen Matrosen auf den Schissenfand sie ihren Weg. Wo sie konnte, sorgte sie durch warmeWohnung, Speise und Kleidung, durch gute Bücher für dieseVerwahrlosten. Aber sie fand einen Ort noch größeren Elendsund ärgerer Verworfenheit: Am 16. Februar 1813 betratnämlich die edle Frau zum erstenmale das Gefängnis Newgate ,wo 160 Unglückliche auf engem Raume zusammengepferchtwaren, kochten, wuschen und ohne Decke auf dem bloßenBoden schliefen. Alles starrte von Schmutz, der Gestank warunerträglich. Elisabeth Frei sprach Worte voll teilnehmenderLiebe und Hoffnung, ließ sich sogar bei den Gefangenen ein-schließen, brachte es dazu, daß die mit den Müttern einge-sperrten Kinder Schulunterricht erhielten und gründete schließ-lich mit zwölf Freundinnen einen Verein zur Verbesserungder weiblichen Gefängnisinsassen. Tagelang blieb sie bei denSträflingen, um sie zu unterrichten und zu beschäftigen. DieVeränderungen bei den rohen, sittenlosen und gänzlich ver-kommenen Gefangenen waren wunderbar. Einzelne vergossennoch auf dem Schaffote Tränen der Rührung; Aufseher wieBehörden waren mit Bewunderung für die edle Frau erfüllt.

Was Elisabeth Frei in London tat, davon redete sie vollFreude in ganz Großbritanien, reiste mit ihrer Botschaft durchFrankreich , die Niederlande, die Schweiz , Deutschland undDänemark ; besuchte jedes Armen-, Kranken- und Irren-haus. Die Großen der Welt verkehrten mit ihr, Königebesuchten sie, alles beugte sich vor der hohen Gestalt mit derunbeschreiblichen Ruhe und Einfalt, Kraft und Würde, dieein Urbild christlich verklärter Weiblichkeit, gegen Verbrecherin-nen wie gegen Königinnen gleich freundlich und demütigwar. Sie starb am 13. Oktober 1843.

80. Der Held und der Reitknecht. ( 133 )

Ein Held, der sich durch manche Schlacht, durch manch'verheertes Land des Lorbeers wert gemacht, floh einstens nachVerlorner Schlacht verwundet in den Wald, den Feinden zuentkommen, traf einen Eremiten an und ward von diesem