daß er nicht von den Menschen gelehrt worden sei, wie er dasEvangelium predigen solle, sondern von Gott selbst.
In der Tat unterscheidet sich auch sein Evangelium vonder Lehre der andern Apostel, besonders in zwei Punkten,nämlich daß das jüdische Gesetz durch Christum auf-gehoben sei und darum das Reich Gottes auch den Heidengehöre. Da die Juden durch des Gesetzes Werke nicht ge-recht werden konnten, habe sie Gott durch seine Gnade erlöstund weil es nun allein auf die Gnade Gottes ankomme,welcher sich der Mensch mit wahrem Glauben hingeben müsse,so sei jetzt zwischen Juden und Heiden kein Unter-schied. Sie seien durch Christum alle zu Kindern Gottesund Erben des ewigen Lebens berufen, alle durch die gleichegöttliche Liebe erlöst und alle vereinigt durch den Geist derLiebe, welcher ihnen geschenkt ist. „Hier — schreibt er denChristen in Galatim — ist nicht mehr Jude noch Grieche, nichtmehr Knecht noch Freier, nicht mehr Mann noch Weib; dennihr seid allzumal Einer in Jesu Christo."
Alle äußerlichen gottesdienstlichen Eesetzeswerke, wie Opfer,Reinigungen und Fasten sind nach der Lehre des Paulusgleichgültig und der Mensch kann überhaupt durch sein Ver-dienst die Seligkeit nicht erlangen. Sowohl die Juden alsdie Heiden sind schuldig vor Gott . Da ist keiner, der gerechtsei; und wenn auch das Wollen des Guten vorhanden ist,fehlt es doch am Vollbringen desselben. Dem aber, welcherdie uns durch Jesum angebotene Gnade Gottes ergreift,wird der Geist Gottes als ein Geist der Kindschaft, des Frie-dens und der Kraft geschenkt. Wenn er auch nicht mehr unterdem Buchstaben des Gesetzes steht, so lebt er dafür in demGesetz Christi . Die Liebe Christi treibt ihn zuallem Guten an. Er ist zur wahren Freiheit der Kin-der Gottes gelangt; aber er mißbraucht die Freiheit nichtzur Ungerechtigkeit. Er ist mit Christo gestorben und mitihm zu einem neuen Leben erweckt. Der alte Mensch oderdas Fleisch mit seinen Lüsten und Begierden ist gekreuzigtund Paulus bezeugt: „Nun lebe nicht mehr ich, sondern