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Lesebuch für den Religionsunterricht an den Gemeinde- und Bezirksschulen des Kantons Aargau / erstellt von Karl Schweizer
Entstehung
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verwandeln sich in Bäche und wie fortgesegt ist das Leben derMenschen und Tiere, alle haben sich unter das schützendeObdach geflüchtet. Endlich lassen die Wassergüsse nach, derDonner rollt seltener und entfernter; ja, ein Sonnenstrahldringt wieder durch die Wolken und baut jenen lieblichensiebenfarbigen Bogen über den Talgrund hin, der uns dasuralte Gotteswort vernehmen läßt: hinfort soll nicht auf-hören Sommer und Winter, Frost und Hitze, Saat undErnte, Tag und Nacht. Und wie neu verjüngt ist nun alles,in frischerem Grün prangt die Erde, so leicht und erquickendatmet sich diese Lust ein und so klar und ruhig schaut derblaue Himmel wieder zu uns herab. Noch einen freundlichenScheidegruß wirft uns die Sonne vom fernen Westen her zu,dann senkt sich der stille Abend aus die Landschaft hernieder.

So bleibts auch im Menschenleben oft nicht bei derSchwüle des Tages stehen, bei der Hitze der täglich wieder-kehrenden Sorgen und Mühen, sondern manchmal bricht auchein Sturm los, schwere Schicksalsschläge, Krankheiten undTodesfälle, ja noch schlimmeres trifft unser Lebensglück; aberauch diese Wetter, sie reinigen die Lüfte, sie reinigen dasLeben von jenem irdischen Sinn, von jenem Hochmut undjener stolzen Sicherheit, die gerade den pflichttreuen Men-schen oft ergreifen; sie machen das Herz demütig und auchfür das Kleinste dankbar; sie zeigen uns oft mitten imSchmerz die heilende und tröstende Nähe Gottes und lassenuns seine Stimme hören: Es sollen wohl Berge weichenund Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir«wichen und der Bund meines Friedens nicht hinfallen! Dannklärt sich auch über uns der umwölkte Himmel wieder aus,still und kühl senkt sich der Abend auf die Flur und seinleuchtendes Rot verkündet uns einen kommenden, besserenTag. So läßt der Herr des Weltalls die Früchte reisen,draußen unter dem Wechsel der Naturerscheinungen, drinnenim Menschenleben unter dem Wechsel seiner Schicksale, draußenfür die Bedürfnisse dieser Zeit, drinnen für die Scheunender Ewigkeit. Wir aber wollen fortfahren zu arbeiten, zu