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daß es nicht uns und euch gebreche. Gehet vielmehr zu denKrämern und kaufet für euch. Indem sie aber hingingen, zukaufen, kam der Bräutigam; und die da bereit waren, gingenmit ihm hinein zur Hochzeit und die Türe ward verschlossen.Hernach kommen aber auch die andern Jungfrauen undsprechen: Herr, Herr, tue uns auf! Er aber wird antworten:Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht! So wachet nun;denn ihr wisset weder Tag noch Stunde.
116. Abendlied. ( 64 )
Es ist so still geworden, verrauscht des Abends Weh'n,Nun hört man allerorten der Engel Füße gehn;
Rings in die Tale senket sich Finsternis mit Macht —
Wirf ab, mein Herz, was dich kränket und was dir bangemacht!
Es ruht die Welt in Schweigen, ihr Tosen ist vorbei,Stumm ihrer Freude Reigen und stumm ihr Schmerzensschrei;Hat Rosen sie geschenket, hat Dornen sie gebracht —
Wirf ab, mein Herz, was dich kränket und was dir bangemacht!
Und hast du heut gefehlet, o schaue nicht zurück;
Empfinde dich beseelet von freier Gnade Glück.
Auch des Verirrten denket der Herr auf hoher Wacht —Wirf ab, mein Herz, was dich kränket und was dir bangemacht!
Nun stehn im Himmelskreise die Sterne in Majestät;
In gleichem, festen Gleise der goldne Wagen geht.
Und gleich den Sternen lenket er deinen Weg durch Nacht —Wirf ab, mein Herz, was dich kränket und was dir bangemacht! (G. Kinkel.)
117. Abendgebet. (65)
Herr, des Tages Mühen und BeschwerdenMachtest du durch deine Nähe leicht;