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Heilge Nacht, so kehrst du wieder, wie die Welt dich einstgesehn,
Da die Palmen lauter rauschten und, versenkt in Dämmerung,
Erd' und Himmel Worte tauschten, Worte der Verkündigung.
Da, mit Purpur übergössen, aufgetan von Gottes Hand,
Alle Himmel sich erschlossen glänzend über Meer und Land;
Da, den Frieden zu verkünden, sich der Engel niederschwang,
Auf den Höhen, in den Gründen, die Verheißung wiederklang.
Da, Mariens Sohn zu dienen, Fürsten aus dem Morgen-land
In der Hirten Kreis erschienen, Gold und Myrrhen in derHand;
Da mit seligem Entzücken sich die Mutter niederbog,
Sinnend aus des Kindes Blicken nie gefühlte Freude sog.
Heilge Nacht, mit tausend Kerzen steigst du feierlich herauf;
Und so geh in unsern Herzen, Stern des Lebens, geh uns auf!
Schau, im Himmel und auf Erden glänzt der Liebe Rosen-schein,
Friede solls noch einmal werden und die Liebe König sein.
<R. Prutz.)
123. Bethlehem und Golgatha. ( 82 )
Zu Bethlehem ist er geboren, der uns das Leben hat gebracht
Und Golgatha hat er erkoren, durchs Kreuz zu brechen Todes-macht.
Ich fuhr vom abendlichen Strande hinaus, hin durch dieMorgenlande,
Und Größeres ich nirgends sah, als Bethlehem und Golgatha.
Wie sind die sieben Wunderwerke der alten Welt dahin-gerafft,
Wie ist der Trotz der ird'schen Stärke erlegen vor derHimmelskraft!
Ich sah sie, wo ich mochte wallen, in ihre Trümmer hin-gefallen,