Buch 
Lesebuch für den Religionsunterricht an den Gemeinde- und Bezirksschulen des Kantons Aargau / erstellt von Karl Schweizer
Entstehung
Seite
124
JPEG-Download
 

124

Sie knieen nieder in des Zirkus Sande,

Ihr Psalm ertönet fremd und wunderbar.

Sie grüßen ihren Cäsar, doch nicht jenen,Der in die Hand sein finsters Haupt dort stützt;

Nein, Einen, der umjauchzt von Harfentönen,

Hoch ob der Erde blutigen Arenen,

Als Friedefürst in goldnen Wolken sitzt.

Heil Christe dir! Dich grüßen, die dasterben!"

Kurz ist der Kampf und ewig ist der Lohn;

O selig, wer um deine Krone werben,

O selig, wer dein himmlisch Reich darf erben,

Nimm unsre Seelen auf, du Gottessohn!"

Sie schaun sich um und schäum mit EntzückenDen edlen Zeugenkreis, der sie umringt;

Nicht jenen, der mit mordgewohnten BlickenIm weiten Zirkus, voll bis zum Erdrücken,

Wie eine Riesenschlange sie umschlingt.

Nein, Engel sinds, die sich herniederneigen,

Ein lichter Kreis, ein strahlenvoller Kranz,

Mit Kronen winken sie, mit Palmenzweigen,

Kopf drängt an Kops und Reigen sich an Reigen,

Bis er verschwebt im goldnen Himmelsglanz.

Numidscher Leu, nun schüttle deine Mähne,

Die Lämmer Christi schrecket nicht dein Zorn,

Spring an aus deinem Käfig, o Hyäne,

Du Königstiger wetze deine Zähne,

Zermalme kecklich Christi Weizenkorn!

Zehn blut'ge Leichen schleppt man aus den TorenDoch zwanzig derer, die sie sterben sahn,

Sie haben morgen schon zum Kreuz geschworen;

Aus Blut wird Christi Kirche neu geboren,

Und jeder Sturm facht frische Flammen an. (Eerok.)