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163. Belsazar. ( 14 )
1. Der König tront, es sitzenDie Großen rings im Saal:Viel tausend Lampen blitzenBeim festlich hohen Mahl.Viel tausend Becher klirren,Sie sündig zu entweihn;
Es schäumt in den GeschirrenJehovahs — Heidenwein!
2. Da regte sich zur StundeUrplötzlich eine Hand,
Und auf dem MauergrundeSchrieb sie gleich wie auf Sand;Vom Arm schien ganz sich tren-Die Hand, die sich erhub; fnendDie längs der Lettern rennendFremdartige Züge grub.
3. Dem König wurde bange,Da rings die Luft verschwebt,Blutlos ward seine WangeUnd seine Stimme bebt:„Schickt aus nach weisen Leuten,Den Kundigsten der Welt,Daß sie das Zeichen deuten,Das unser Mahl vergällt."
4. Geschickt sind die Chaldäer,Doch sie erratens nicht,Verhüllt blieb jedem SpäherDas schreckliche Gesicht.
Selbst Babels kluge GreiseEntbehren hier des Lichts,Die immer sonst so weise,Sie sahn und wußten nichts.
5. Nur ein gefang'ner KnabeAus einem fernen LandBesaß die Wundergabe,
Daß er die Schrift verstand.Die Lampen brannten helleEr hat die Schrift erklärt,Und was er las zur Stelle —Der Morgen hats bewährt.
6. Belsazars Grab ist offen,Sein Königreich vergeht;Und jäh vom Blitz getroffenWard er als Staub verweht.Sein Purpur ward zum Flore,Sein Tron zum Leichenstein.Der Meder nahm die Tore,Den Tron der Perser ein.
(E. Byrony
164. Unter persischer Herrschaft. (i5)
An Stelle des untergegangenen Assyrerreiches hatte Ne-bukadnezar, der König von Babylon, ein neues, nochmächtigeres Weltreich gegründet. Doch es sollte nicht langeBestand haben. Kyrus, ein Perser aus königlichem Ge-schlechte, als Kind zum Tode bestimmt, aber auf wunder-bare Weise gerettet, hatte sich, herangewachsen, bald zum