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Lesebuch für den Religionsunterricht an den Gemeinde- und Bezirksschulen des Kantons Aargau / erstellt von Karl Schweizer
Entstehung
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des Morgenlandes ergeben. Die Angehörigen der regierendenFamilien bekämpften sich gegenseitig und schreckten auch vorDolch und Gift nicht zurück. Es entstanden Parteien, die so-wohl politisch wie religiös tätig waren: die Pharisäer,welche das allein echte Judentum vertreten wollten, denen dieReligion und Frömmigkeit nur etwas galt, wenn sie sich ganzgenau nach dem Buchstaben des Gesetzes richtete. Der Standder Schriftgelehrten, welche das in den fünf BüchernMosis liegende Gesetz fachmännisch studieren und für die man-nigfachen Verhältnisse des täglichen Lebens verarbeiten sollten,wurde so nur noch ausschließlicher. Daß die Befolgung sol-cher Statuten und Reglements nicht dasselbe wie Frömmig-keit sein kann, daran dachten sie nicht, im Gegenteil. Ihnengegenüber standen die Sadducäer, die sich in der Be-folgung des Gesetzes nur auf das Notwendigste beschränkenund bei den alten Anschauungen bleiben wollten. Beide Par-teien gerieten in heftige Kämpfe und befehdeten sich leiden-schaftlich.

Diese von der Religion auch auf die Politik übertragenenStreitigkeiten sollten von neuem den Untergang der Selb-ständigkeit der Juden herbeiführen. Während die KöniginAlexandra fhebr. Salame ), der manche Sammlung alterheiliger Schriften zu verdanken ist, die Ruhe des Reiches nochaufrecht erhalten konnte, brach unter ihren Söhnen Hyrkanund Aristobul ein Bruderkrieg aus. Beide riefen schließ-lich die römische Republik, die damals schon einen großen Teilder Welt beherrschte, um einen Schiedsspruch an. Der römischeFeldherr Pompejus kam selber nach Palästina und schaffteOrdnung, aber so, daß dabei die jüdische Freiheit ein kläg-liches Ende nahm. Zwar wurde Palästina noch nicht zumrömischen Reiche geschlagen; der Einfluß des letztern waraber so mächtig geworden, daß ohne seinen Willen nichtsgeschehen konnte.

In die Kriege, welche Rom mit den Völkern des Ostens,zumal mit den Parthern, führte, wurde auch das jüdischeReich mit hineingerissen. Aber es war nirgends mehr eine