Buch 
Lehr- und Lesebuch für die Thurgauischen Volksschulen, 7.-9. Schuljahr / revidirte Ausgabe von Scherr's Schul- und Hausfreund ; bearbeitet im Auftrage des Erziehungsdepartements
Entstehung
Seite
93
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steinen aus dem frischen Grün der Blätter und duftenden Blumenhervor, während Eidechsen von auffallender Form, Größe und Farben-pracht, sowie düstergefärbte Schlangen, giftige wie auch unschädliche,aus dem Laube, den Höhlen der Bäume hervorschlüpfen, sich sonnenund, an Bäumen sich hinaufwindend, auf Insekten und Bügel lauern.Bon nun an ist Alles voll thätigen Lebens. Eichhörnchen, Herden vongeselligen Affen ziehen neugierig aus dem Innern der Wälder nachden Anpflanzungen und schwingen sich Pfeifend und schnalzend vonBaum zu Baum. Die hühnerartigen Jacus, Hoccos und die Taubenverlassen die Zweige und irren auf dem feuchten Waldboden umher.

Wieder andere Vogel, von den sonderbarsten Gestalten und demglänzendsten Gefieder, flattern bald einzeln, bald gesellig durch dieduftenden Gebüsche. Die grün, blau oder roth gefärbten Papageienerfüllen, auf den Gipfeln der Bäume versammelt oder den umher-

schwärmenden Insekten nachfliegend, die Luft mit ihrem kreischendenGeschwätz. Der Tucan klappert mit seinem großen, hohlen Schnabelauf den äußersten Zweigen und ruft in lauten, wehklagenden Tönennach Regen. Geschäftig schlüpfen die Pirolen aus ihren langherab-hängendcn, beutelförmigen Nestern, um die vollen Orangenbäume zu

besuchen, während ihre ausgestellten Wachen mit lautem, zänkischemGeschrei die Annäherung der Menschen anzeigen. Die auf Insekten

lauernden Fliegenschnäpper schwingen sich von Baum zu Baum underhäschen raschen Fluges die dahinwogenden prachtvollen Schmetterlingeoder die vorübersummenden Fliegen. Verborgen in dichtem Gesträucheflötet die Drossel ihre schönen Melodien; die geschwätzigen Piper be-lustigen sich, aus dichtem Gebüsche bald hier, bald dort in vollen Nach-tigallentönen lockend, den Jäger irre zu führen. Auch der Specht läßt,indem er die Rinde der Stämme anpickt, sein weit schallendes Klopsenertönen.

Und unter diesen befiederten Waldbewohnern endlich die Kolibris,wie sie an Pracht und Farbenglanz mit Diamanten, Smaragden undSapphiren wetteifernd, die prunkvollsten Blumen umschwirren. Endlichbricht die nächtliche Ruhe an. Nur das schlanke Reh, das schlauePecari, die furchtsame Agouti und der Tapir weiden noch umher; diehinterlistigen Katzenarten gehen auf Raub aus und durchspähen trotzder Dunkelheit den Wald, bis endlich die brüllenden Heulaffen, das-durch sein klagendes Ar, Ar! gleichsam um Hilfe rufende Faulthier, dietrommelnden Frösche und die schnarrenden Cicaden mit ihrem traurigen,eintönigen Liede den Tag beschließen, und die Baßtöne des Ochsen-srosches den Beginn der Nacht verkünden. Myriaden leuchtender Käferschwärmen nun gleich Irrlichtern umher und gespensterartig flattern dieblutsaugenden Fledermäuse durch das tiefe Dunkel der Tropennacht.