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Unter dem Schutze des Burgrechts mit Freiburg , das Berthelierseiner Vaterstadt verschafft hatte, und dem später dasjenige von Bern folgte, erhielt Genf einige Zeit nachher seine Freiheit wieder. Im Jahr1526 verlangte eine große Anzahl von Bürgern vor Rath, daß an demTage und zu der Stunde, da Berthelier vor sieben Jahren wegen derVertheidigung ihrer Freiheit enthauptet worden, die Geistlichen, der Rathund alle Bürger unter dem Geläute aller Glocken der Stadt zur Kircheziehen und das Andenken des Märtyrers der Freiheit feiern sollten.
174. Andreas Hafer, der tyroler Sandwirth.
Nach einem sehr unglücklichen Kriege, im Jahre 1805, mußteOesterreich das Land Tyrol an Bayern und Frankreich abtreten. Dietreuen Tyroler konnten die neue Herrschaft nicht ertragen und ergriffenden ersten Anlaß, um dieselbe abzuschütteln.
Als nun im Jahre 1809 ein neuer Krieg zwischen Oesterreich und Frankreich ausbrach, erhoben sich die ausgezeichneten tyroler Schützenund vertheidigten mit Muth ihre Thäler und Höhen. An ihrer Spitzestand Andreas Hofer , der Wirth zum Sand im Passcierthale. Nachheldenmüthigen Kämpfen zog er als Sieger in die Hauptstadt Innsbruck ein und erhielt nun den Titel: Oberkommandant von Tyrol.
Aber Oesterreich unterlag, und die Tvroler wurden aufgefordert,nun sich wiederum der neuen Herrschaft zu unterwerfen. Der Sandwirth,von heldenmüthiger Vaterlandsliebe durchglüht, beharrte im Kämpfe,vertheidigte den Brenner, den Jselberg, den Paß Lueg und leistete amPasscierthale mit 600 Mann drei Tage lang den tapfersten Widerstandgegen 18,000 Feinde. — Endlich mußte die Heldenschaar der Uebermachtunterliegen. Der Jselberg wurde mit Sturm genommen, die Tyrolerwurden zerstreut, der Sandwirth entkam den spähenden Feinden undhielt sich auf einem Berggipfel in einer einsamen Sennhütte verborgen.Aber zwei feindliche Soldaten, die in dem Gebirge den Gemsen nach-stellten, entdeckten ihn in seinem Aufenthaltsorte. Ein Preis war aufseinen Kopf gesetzt, und sie eilten, den Franzosen ihre Entdeckung mit-zutheilen. In der Nacht vom 26. zum 27. Januar 1810 umzingeltenFranzosen die Hütte. Der Sandwirth öffnete selbst die Thüre, trathervor, und auf die Frage, wer er sei, sprach er mit Ernst und Würde:Ich bin der Sandwirth Andreas Hofer ; mein Schicksal ist in euernHänden; schont nur meines Weibes und meiner Kinder! — Unter einerstarken Bedeckung wurde er nach der italienischen Festung Mantua geführt.
Man hoffte jedoch, der Kaiser Napoleon werde gegen einen Mann,der seinem angestammten Landesherrn Treue bis zum Tode bewiesen undsich überall als wahrer Held und würdiger Mann gezeigt, Großmut!)
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