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Kurze Beschreibung und Geschichte des Kantons Thurgau für die Schulen des Kantons Thurgau / [Johann Adam Pupikofer]
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90
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aber im eigenen Lande selbst wagten es die Grafen undFürsten nicht, den Landesfrieden zu brechen, aus Furchtvor der Zuchtruthe des Kaisers.

Als der heilige Bernhard aus Frankreich her denRhein herauf über Steckborn nach Konstanz und von dortüber Elgg nach Zürich reisete (1144), und wie überall,so u. a. auch in Tänikon, in feurigem Eifer aufforderte,an dem Kampfe zur Befreiung des heiligen Grabes zuJerusalem aus den Händen der Ungläubigen Theil zunehmen: ergriffen zwar viele für die Ehre des Erlösersdas Schwert; aber im Ganzen sprach sich Bernharddoch mit dem Erfolg seiner Predigten im Thurgau undin Konstanz nicht zufrieden aus.

Im Jahre 1178 legte Graf Hartmann von Khburgden Grund zur Stadt Dießenhofen . Er gab der Bür-gerschaft dieselben Rechte und Gesetze, welche Herzog Ber-tholt» von Zähringen den Städten Freiburg im Breisgauund im Uechtlande zugetheilt hatte. Die ehemaligen Un-terdrücker der Volksrechte waren zu der Ueberzeugung ge-langt, daß nicht bloß der Adel, sondern mich der freieBürger wehrfähig, sei, und suchten nun in der Beförder-ung des Städtewesens ein neues Mittel zur Befestigungder eigenen Macht.

AIS Kaiser Heinrich Vl. im Jahre 1196 starb undbei der neuen Kaiserwahl eine Partei den Herzog Philipp von Schwaben , eine andere Otto von Draunschweig zumKaiser erklärte, zerfiel das ganze Reich in diese zweiParteien. Nach alten Partcinamen hießen die FreundeOttos Welsen oder Guelfen. Im Thurgau waren dieWeiblinger die übermächtigen. Sie verdankten das vor-züglich der treuen Ergebenheit des Abtes von St. Gallen,Heinrichs von Klingen, an das Hohenstaufische Herrscher-haus.