Im Mai.
Wie kommt's, daß Blust und MaienprachtUnd Fliederdust und AnifelschlagSo wenig Herzen reich gemacht,
Das große Glück nie kommen mag?
Man scherzt und singt des Frühlings Preis,Und wenn die Lippe überschäumt,
Tief innen mahnt ein Stimmlein leis:
O — hast du nun, was du erträumt?
Man küßt und kost. Es wirbt sich gut,
Im Zelt von Blüten überdacht.
Doch längst begrabner Liebe Glut,
Sie ist nicht tot — gib acht, gib acht!
Wir sind ein sonderbar Geschlecht,
Das gern sich um Verlornes quält.
Was Gott ihm gibt ist keinem recht,
Wir wissen besser, was uns fehlt.
Und immer ist die Sorge da,
Und immer wird ein Sehnen laut.
Das große Glück sei allzeit nah — —
Hat es ein Sterblicher geschaut?
122