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Aber auch in der Neuzeit sind diese Wanderarmennoch nicht verschwunden. Es ist schon behauptet worden,daß in Deutschland ca. 200,000 Menschen auf der Land-straße lebten, und Nationalökonomen haben den Ausfallan Arbeitsleistung, den diese Zahl repräsentiert, und denUuterstützungsbetrag, den diese unproduktive Existenz-weise erfordert, berechnet. Die Zahl mag zu hoch ge-griffen sein. Groß genug ist die wirkliche jedes Fallsund in den letzten Jahren der geschäftlichen Krisis scheintsie wieder aufs neue gestiegen zu sein. Es ist nochjetzt so: Unter uns, neben uns gibt es sinkende Men-schen und die Flut, in die die Entgleisten, Stellenlosen,Familienlosen, Haltlosen zuletzt untertauchen, ist derStrom der armen Reisenden, der Fechtbruder, der ge-riebenen Kunden, der Vaganten. Wie im Mittelalterso existiert noch heute eine besondere Kundensprache, einBeweis dafür, wie sehr sich diese Menschen auch jetztnoch als eine besondere, von der übrigen Gesellschaftlosgelöste Kaste erscheinen. Und wie früher so ist auchin unserer modernen Welt der Bettel ein einträglichesGeschäft und wird kunstgerecht ausgeübt.
Ein deutscher Zuchthausdirektor hat den durchschnitt-lichen Verdienst eines gewöhnlichen Bettlers auf 1,70Mark im Minimum und 4 Mark im Maximum be-rechnet. In München wurde im Jahre 1885 ein Bettlerverhaftet, der ein regelrechtes „Ein- und Auslaufjour-nal" führte. Für den November des vorhergehendenJahres hatte er 66 Bettelbriefe als Auslauf und 149,96Mark als Einkauf, für den Dezember 92 Bettelbriefe