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Aus dem Leben einer Arbeiterkolonie : Vortrag / von Gustav Benz
(Pfarrer in Basel)
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dem „Berliner" auf dem Rücken und dem „Stenz" inder Hand „gewalzt" sind und dabei Land und Leutein weit intimerer Weise kennen gelernt haben, als esjetzt vom Eisenbahnwagen aus geschieht, mit einem Ge-fühl des Bedauerns dies Stück „gute, alte Zeit" dahin-schwinden sehen. Es liegt sicherlich auch Romantik undPoesie in ihm und mancher junge Mann mag von seinerWanderschaft einen reichen Gewinn an Selbständigkeit,Weite des Horizontes, beruflicher Erfahrung und Men-schenkenntnis in die Heimat zurückgebracht haben. Ein-zelne Berufe, vor allem die Schlosser, liefern nochimmer ein starkes Kontingent der Wandergesellen. Essind unter ihnen auch heute noch rechtschaffene jungeLeute, die aus demselben Grunde wandern, aus demdie jungen Kaufleute und die Studenten in ferne Welt-städte und an fremde Universitäten ziehen, um ein StückWelt kennen zu lernen, oder die durch Arbeitslosigkeitauf die Straße gekommen sind und die erste passendeArbeitsstelle mit Freuden ergreifen.

Daneben aber gibt es freilich fahrendes Volk allerArt. Lange andauernde Stellenlosigkeit und die dainitverbundene Nötigung, zu wandern, können auch gutge-artete Elemente verderben. Der fortgesetzte Mangel anOrdnung und Arbeit führt zuletzt zur Entwöhnung vonbeiden. Die Verdienstlosigkeit treibt zum Bettel. Damitsinkt das Selbstgefühl. Die Reisegefährten, die Atmo-sphäre der Herbergen und zumal der „wilden Pennen",auch die Behandlung seitens der Mitmenschen, das allesübt eine abstumpfende, verrohende Wirkung aus. Der