streben, im einzelnen zu arrondieren, wo es nur geht.Dieses Verfahren ist aber teuer und ganz ungenügend.Die Parzellierung — dieser wundeste Punkt unsererLandwirtschaft — wird nur durch eine bessere Gesetz-gebung eingeschränkt werden können.
Aus dem alten Abhängigkeitsverhältnis musste sichnotwendigerweise früh eine starke Verschuldung *) unsererthurgauischen Bauerngüter ergehen, die heute noch inihren Folgen wirkt. Die Knappheit im Betriebskapitalist stets ein Hemmschuh für die Förderung der Tier-zucht und der Landwirtschaft überhaupt gewesen.
Die Bevölkerung des Landes hat natürlich aucheine ganz andere Lebenshaltung wie früher. Trotz derdamals sehr niedrigen Fleisch- und Milchpreise — dasPfund Fleisch kostete za. 20—30 Rp. — begnügte mansich zu Anfang des vorigen Jahrhunderts mit Nahrungpflanzlicher Herkunft. Hafergrütze, Mehlklösse undBrot, später auch Kartoffeln und Obst, das bildetedie tägliche Nahrung der thurgauischen Landbewohner;nur an strengen Tagen und festlichen Anlässen gab esauf dem bäuerlichen Tische Dörrfleisch. Milch und Milch-produkte wurden merkwürdigerweise wenig verzehrt.Bei der Teuerung Anno 1817 „gestattete a die Regie-rung (unter gewissen Yorsichtsmassregeln) Pferdefleischzu essen; im allgemeinen stieg das Fleisch aberwenig im Preise. Die damaligen obrigkeitlichen Mass-nahmen gegen die Teuerung bestanden fast einzig inder Sorge um das Brotgetreide: mehrmals richteteunsere Thurgauer Regierung Bittschriften an die Fürstenvon Baden und Bayern , um die Einfuhr von Getreidevon dorther zu erwirken. Das Brot war unverhältnis-mässig teurer als Fleich.
') Stephan Franscini, Statistik der Schweiz 1843; siehe auchFreyenmuth, Die Bodenverschuldung im Thurgau 1830.