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Dr. Elias Haffter : ein Lebensbild : aus Briefen und Erinnerungen / zusammengestellt von Anna Roth
Entstehung
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337
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Nur ein guter Meusch kann 'ein guter Ar;t sein/' 887

Die Stimmung am Neujahrsmorgen entspricht beim nach-denkenden Menschen, dessen Gemüt nicht durch jede Gunst oderUngunst des Augenblicks bewegt zu werden pflegt, so ziemlich dermoralischen Bilanz des vergangenen Jahres.Das Gute gewolltzu haben" ist ein Trost, befriedigt aber nicht jeden; man wünschtsich auch die Satisfaktion des sichtbaren Erfolges.

Erfolge des Arztes? Wer hat sie richtig abgewogen? DieWelt oder das eigene Gewissen?

-Sprechen wir in einer festlich ernsten Stunde lieber von denGrundlagen unseres Berufes: Wissenschaft und Menschenliebesind die zwei Hauptpfeiler desselben. Auf dem uns einst stolzund vollkommen erscheinenden Fundamente, das wir währendunserer akademischen Studien mitheißem Bemühn" aufgeführt,sollen wir praktische Ärzte weiter baue». Prophylaxe und Therapie,der Kern unserer Lebensaufgabe, basieren auf dem Stande derErkenntnis, den wir von der akademischen Lernzeit mit auf unserArbeitsfeld nehmen. Aber aus diesem wissenschaftlichenFundamente fällt im Laufe der Zeiten mancher Stein herausund muß ersetzt werden. Und manche Säule, diefest wie der--Erde Grund" gestellt schien, gerät inS Wanken. Mißtrauisch beob-achtet die leidende Menschheit diesen Wechsel der Anschauungen-Und verzweifelt an dem Worte unserer Wissenschaft, weil sie nurdie ausgewechselten Steine und Säulen, nicht aber den Plandes ganze» Bauwerkes übersieht.Was ist Wahrheit?"^a-en auch wir Ärzte, wenn scheinbar sicher begründete Physio-logische und pathologische Erscheinungen plötzlich sich als unsicherund unerklärt erweisen. Aber wir zweifeln nicht und verzweifelnuicht, sondern wir wissen, daß alle Irrtümer nur Kreuz- und^luerwege sind, die schließlich doch zur Wahrheit führen, und'*«r hören nicht, auf an den Fortschritt unserer Wissenschaft zuDauben, wenn auch gerade die wissenschaftliche Säule unsereserufes vom oberflächlich instruierten Publikum als anfechtbar^schrien sein sollte.

»Ehern und unverändert aber, seit Jesus von Nazareth dieMenschenliebe predigte, steht der andere Hauptpfeiler unsereserufes, die Humanität. Wer von ganzer Seele Arzt ist, nicht

Lebensbild. 22