-nnßer Bett sein; im Mai sogar noch einige Male ausführen,Wonach er sich den ganzen Winter gesehnt hatte. Nach derletzten Fahrt mußte er sich die Treppe hinauf tragen lassen;'von da an ging er nie mehr in sein Arbeitszimmer hinunter.In einem Lehnstuhl gebettet saß er bei gutem Wetter auf derVeranda, und da grüßte noch mancher Vorübergehende zu seinemverehrten Doktor hinauf. — Besuche, so sehr sie ihn zuersterfreut hatten, konnte er kaum mehr empfangen, da die Müdig-keit überhand nahm. Aber manche Freude wurde ihm zuteil;die Liebe, die er sein ganzes Leben lang gesäet hatte, ging inreicher Fülle auf. Jedes wollte ihm etwas Liebes erweisen, ihmetwas bringen. Sein Oratorienverein sang ihm noch einmalmehrere Chöre aus „Elias" mit Orchesterbegleitung, was ihmeine große, freilich auch mit Schmerz gemischte Freude war.Auch Schulkinder kamen mehrmals unter die Fenster, um ihremDoktor einige Lieder zu singen. Eines Tages stellten sich sogar32 der Kleinsten (Sonntagsschüler) ein, und: „So nimm dennmeine Hände, und führe mich —" klang es herauf. Da wollteder Kranke die kleine Sängerschar sehen; war das ein Jubel,>als man sie ins Haus rief. Aber da mahnte die kleine Nach-barin Hedi „leise tun und die Schuhe abputzen", wußte sie ja,daß der Kranke keinen Lärm ertrug. Und nun defilierten sieam Bett 'vorbei, und der Doktor teilte ihnen Konfekt aus undfreute sich all der bekannten Gesichtchen. Rührend war es, wieein kleiner Junge des Kranken Hände ergriff, sie küßte und sagte:„o min liebe, liebe Herr Doktor!" — So gab es manche hellenSonnenstrahlen ins Krankenzimmer, das überhaupt ein seltenschönes, friedliches und freundliches war. In Erinnerungen angemeinsam genossene schöne Zeiten vergaß man oft die traurigeGegenwart, das Bittere, das unabweislich mit leisem Schrittnäher und näher kam. In den letzten Wochen wurden dieSchmerzen geringer, verschwanden oft ganz; die bangen Nächtewurden mit Morphium erträglich gemacht. Oft sagte der Kranke:„wie schön haben wir es noch beieinander." Vom Sterbenwurde viel gesprochen und mit fester Zuversicht tröstete derKranken die Seinen; das Wiedersehen war ihm eine unumstöß-
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Buch
Dr. Elias Haffter : ein Lebensbild : aus Briefen und Erinnerungen / zusammengestellt von Anna Roth
Entstehung
Seite
416
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