Madchcilpensionat in St. Germain.
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gekrvnt; denn die Griinderin war durch ihre fruhere Stellungam Hose schvn empfohlen. Kaum waren einige Mvnateverflossen, so zahlte sie schvn dreihig Zoglinge, und sie sahsich genotigt, eine grohere Unterkunft zu mieten. Am einenEnde der Stadt St. Germain befand sich das ehemaligeHerrenhaus (iiotsl) des Herzogs v. Rohan. Man tratdurch ein prunkvolles Gitter in einen grohen Hof; dieGebaude waren geraumig, bequem; hinten hinaus erstrecktesich ein ausgedehnter Garten, bepflanzt teils in Luststucken,teils in Rautenform und Gemusebeeten, nedst allerlei Bau-men und Spalieren. Dieses Herrenhaus nedst Zubehormietete sie den 25. Mai 1795 von seiner Eigentumerin,einer Fran v. Bonenfant, um die jahrliche Summe von2000 Livres, indeni sie die Miete auf 1. Juli anzutretenin Aussicht nahm. Um der damaligen Zeitstromung nachzu-geben nannte Frau Campan ihr Madchenpensionat „National-institut von St. Germain." Ungefahr zu gleicher Zeit mieteteein Jrlander, Patrik Mac Derniott das anstohende ehemaligeUrsulinerinnenkloster und grundete darin ein Knabeninstitutmit der Firma „Jrische Schulanstalt."
Frau Campan stand damals im 42. Alterssahre. Wie-wohl einfach, doch sorgfaltig angezogen, stets schwarz ge-kleidet, gefiel sie durch ihr vornehmes Auftreten, durch einezuvorkonimende Hoflichkeit und durch stets bereitwillige Gute.Im ubrigen besah sie die zu einer solchen Stellung erforder-lichen Kenntnisse, besonders aber auch Weltersahrung, wenn-gleich sie sich gelegentlich auf ihre Menschenkenntnis mehrals Mig zu gute tat. Bereits in diesem ersten Jahre stiegdie Zahl ihrer Zoglinge auf funfzig, im Jahre 1800 zahltesie deren achtzig und im Jahre 1805 hundert.^
' Lorresp. 6e Na<l. Lampsn, t. I, p. X. 9. 12. 13. 36. 268.Auch Meyer fand , 1, 124 f.s 1796 dreihig und im Sonimer 1802
achtzig junge Miidchen daselbst.