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Geschichte der Herrschaft und des Fleckens Weinfelden / von J.J. Wälli, alt Pfarrer
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und kostbaren Haushalt, den die Obervögte auf dem Schloß Wein-felden, das sie bewohnten, zu führen veranlaßt waren. An Diener-schaft hielten sie fünf Dienste, wohl für das Haus und seine Be-dürfnisse, ferner drei Knechte für Vieh und Feld, für fünf Pferdeund acht Stück Hornvieh, und zwei Mägde. Unter denfünfDiensten" dürften wohl auch solche gewesen sein, die dem Oberoogtin seiner Amtstätigkeit zur Hand waren. Den vierteljährigen Lohnfür die fünf berechnet er mit samt demBrodersatz" und den Ent-schädigungen für Zwilch und Schuhe auf 43 Gulden 11 Batzen und1 Kreuzer. Jeder Dienst empfängt des Tages ein Pfund Brot,wenn er außer dem Schloß, im Feld oder Flecken sich aufhaltenmuß, 114 Pfund. Ferner erhält jeder Knecht des Tages IV 2 ,jede Magd 3Z Maß Wein, bei der Arbeit außer dem Schloß, imFeld oder Flecken, eine halbe Matz mehr, also 2 Maß. Fleischerhalten sie zur Woche dreimal, auf einen Knecht wird stz Pfund ge-rechnet. Ueber Fastnacht und Ostern erhalten sie davon Ertra -gaben, die Nahn für alle auf 6V2 Pfund berechnet. Die Ausgabefür Mehlspeisenin die Suppe, zu Knöpfli und Zugemüse" be-trägt auf den Dienst drei Batzen im Tag, für fünf also 91 Guldenin einem Vierteljahr.

Das Schloß bedarf auch der Taglöhner. Nahn rechnet ineinem Vierteljahr auf 20 Tage einen Mann. Er erhält 2 Batzenim Tag, dazu 2 Pfund Brot und 2 Maß Wein, die Mehl-speisen und des Fleisch, macht im Vierteljahr 6 Gulden 10 Batzen.Im Frühling muß auch der Dünger in die Reben getragen werden.Dazu bedarf es auf drei Tage sieben Mann. Der Mann erhältdes Tages 5 Batzen Lohn, 1 Pfund Brot und 1 Maß Wein.Das bringt eine Ausgabe von 7 Gulden. Auch müssen in dieserZeitdie Tobelleute und Hagholzer" Zäune hauen und machen,Gräben öffnen und die Stapfen (in den Reben) verbessern. IhrLohn wird der Regierung verrechnet, aberden Trunk unddas Brot" gibt der Obervogt, das beträgt nach den Rödeln 54Pfund Brot und 54 Maß Wein.

Auch an die Weibel, Gerichtsherren, Quartier- und ordinäreBoten, Polizisten, Förster, Handwerksleute usw., die Geschäfte imSchloß haben, wird Brot und Wein gegeben, Nahn rechnet imVierteljahr 30 Pfund Brot und 30 Maß Wein.

Nicht gering ist auch die Ausgabe des Schlosses für die Armen.Den Hausarmen wird laut Rödel jährlich gegeben an Weid 108Gulden, an Brot 240 Pfund und an Wein 24 Maß. Der Zulaufan Bettlern ist im Frühjahr, namentlich an Fastnacht und Ostern,am größten. Man hat am Fastnachtsonntag schon deren 120 ge-zählt. Dazu braucht es in einem Vierteljahr mindestens 90 PfundBrot und 6 Gulden an Geld. Die mitAttestates" (Empfeh-lungsbriefen) Versehenen und die Handwerksburschen führt Nahn

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