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22. Der Laubfrosch.
1.
Letzten Sonntag hatten wir eine besondere Freude. MeineSchwester Anna und ich waren auf Besuch bei unserem liebenOheim. Er bewohnt in der Nähe der Stadt ein schmuckes,allein stehendes Häuschen, welches von einem schönen, blumen-reichen Garten ganz umgeben ist. An einem Ende des Gartensbefindet sich ein kleiner Teich. Ein sprudelnder Springbrunnenliefert das Wasser. Goldgelbe Fischehen schwimmen gar lustigund hurtig im Teiche dahin. Am andern Ende des Gartenshat der Oheim aus Drahtgeflecht einen grossen Käfig gebaut.Darinnen sind mehr als hundert fremde Vogel, wie ich nochkeine solchen gesehen. Ihr prächtiges Kleid schimmert in allenFarben, und allerlei lustige Vogelweisen erklingen den ganzenTag. Der Onkel ist ein besonderer Freund der Tiere. Erkennt nicht bloss die Namen von allen seinen Vögeln, sonderner weiss auch von jedem seiner Lieblinge gar seltsame Ge-schichtchen zu erzählen.
2 .
Was uns Kinder aber besonders in Verwunderungsetzte, das war ein kleiner, niedlicher Frosch. Er sassin einem mit Papier zugedeckten Glase und stieg aufeiner kleinen Leiter auf und ab. ,,Seht, liebe Kinder,“sagte der Oheim, „das ist ein Laubfrosch. Ich besitzedas Tierchen schon seit acht Jahren. Es macht mir vielSpass. Bei schönem Wetter steigt es in die Höhe. BeiRegenwetter verbirgt es sich unten im Glase. Im Som-mer füttere ich es mit Mücken, Fliegen und Würmern;im Winter frisst es sehr wenig, weil es fast beständigschläft. Auch dieses Tierchen hat Verstand. Es weissganz gut, wenn ich ihm Futter bringe.“ Der Oheim hieltjetzt dem Frosch eine Fliege hin. Sofort stieg der Froschaus dem Glase, setzte sich auf den Rand und lugte mitseinen zwei kleinen Äuglein nach der Fliege aus. Wirkonnten ihn jetzt genau betrachten.