100
Über die Bedeutung und die Zukunft der schweizerischen Ziegen-zucht seien andeutungsweise noch ein paar Worte beigefügt.
Wie steht’s mit der Ernährung unseres Volkes in den sogenanntenuntern Ständen und überhaupt? Verzehrt unser Volk etwa ein Zuvielan Milch und Milchspeisen und an Fleisch? Sind nicht mancherortsKaffee, Kartoffeln mit alkoholartiger Tranksame oder Naschwerk —das „tägliche Brot“?
Woher die große Kindersterblichkeit und die vielen untauglichenRekruten? Wie wäre es um so manche arme Haushaltung bestellt,wenn die Hausmutter nicht je morgens und abends den Kindern miteinem Topf eigner, gesunder, realer Geißmilch aufwarten könnte?
Jeder Beitrag zur Herbeiführung besserer Zustände in der Volks-ernährung soll uns doch willkommen sein, und ein solcher ist dieZiegenzucht und die Ziegenhaltung.
Es gab eine Zeit — nach der ersten schweizerischen Kleinvieh-ausstellung in Solothurn im Jahre 1885 — wo man unsere schweize-rische Ziegenzucht so heruntergekommen darstellte, daß Import vonKarpathen- oder Pyrenäenziegen zur Auffrischung und Veredlung dieserunserer heruntergekommenen Schweizerziegen empfohlen wurde. Eswar Prof. Dr. Julius Kühn in Halle, der um diese Zeit sagte: DieSchweizer können aus ihren Ziegen gute Rassen machen, wennsie nur wollen. Ich denke, wenn in Frauenfeld 15 KollektionenZiegen (60 Tiere) von 12 Ziegenzuchtgenossenschaften aus einemeinzigen Kanton (St. Gallen) ausgestellt waren, so haben diese Schweizer-ziegenzüchter ein Dokument ihres „Wollens* klargestellt.
England hat vor uns den Wert einiger schweizerischen Ziegen-schläge erkannt, und Henri Stephen Holmes Pegler hat 1886 in seinemWerke „The Book of The Goat“ (Third Edition) z. B. die Toggenburger-geißen besser beschrieben als nachher schweizerische Literaten.
Die Schweiz ist dem Ausland für Schweine und Schafe tributbargemacht worden — hier ist ein Stück Gegengewicht, in dem Exportvon Schweizerziegen.
Wenn wir die Frage stellen: Was ist in der Folge zu tun? sohaben wir auseinanderzuhalten, wer fördernd ins Zuchtgeschäft derZiegenzucht eingreifen soll. Das sind:
a. Die Hochzüchter,
b. die Genossenschaften,
c. der Staat.