78
zwar wirken nach Lehmann 6S ) hiefür drei Gründe zu-sammen:
1. Manche Menschen vertragen nicht nur mechanischeStörungen (Hitze, Kälte), sondern auch Gifte erstaunlichviel besser als andere, es bleibt also in vielen Betriebeneine Anzahl von Arbeitern gesund, während andere gleich-beschäftigte leicht erkranken und einzelne sogar schwereKrankheiten zeigen.
2. Es entsteht, wie auch Lewin 76 ) betont, kaum eineKrankheit durch Fabrikgifte, die nicht mit nahezu dengleichen Symptomen aus ganz anderer Ursache entstandensein könnte.
3. Sehr häufig kommen bei der heutigen Industriekombinierte Intoxikationen mit Giften vor, unter denendas wirklich schädliche schwer herauszufinden ist.
Zur Klarstellung, ob ein Stoff giftig ist und zur Fest-stellung des Krankheitsbildes eines Giftes genügen daherdie Fabrikbeobachtungen nicht immer, es müssen nochweitere Untersuchungswege eingeschlagen werden.
Es kommen in Betracht: 1. die Erfahrungen beiGiftmorden, Selbstmorden und Unglücks-fällen, 2. besonders aber die Versuche anTieren, eventuell anMenschen (Selbstexperiment.)
Auch für die wichtige Frage, auf welchem Wegedie verschiedenen gewerblichen Gifte in denmenschlichen Organismus gelangen, sind Tier-versuche unumgänglich. Bei den Vergiftungen gewerblicherArt ist es auch sehr schwer, festzustellen, in welchenMengen ein Gift auf den Arbeiter gewirkt hat, und welcheMengen überhaupt als giftig anzusehen sind. Es habenaber auf diesem Gebiete anerkennenswerte Versuche undForschungen eingesetzt und für eine grössere Anzahl vonGiften liegen bereits Angaben vor, die durch Versuche anTieren und auch an Menschen gewonnen, die schädigendenDosen und deren Wirkung für den Organismus angeben.