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Joh. Ulrich Rebsamen, thurg. Seminar-Direktor : sein Lebens- und Charakterbild / gezeichnet von Jakob Christinger
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viel Eifer und Geschick und so gutem Erfolge, dass die Gemeinde ihndauernd für ihre Schule zu gewinnen wünschte, womit er auch selbsteinverstanden war. 2 ) Aber schon im Herbste desselben Jahres solltesich das kaum geschlossene Band lösen, indem die kantonale Erziehungs-behörde ihn als Lehrer der Übungsschule beim Seminar zuKüsnacht berief. Es war vergeblich, dass die Gemeinde Hottingenund ihr jugendlicher Yikar einmütig gegen die Versetzung petitionirten.Die Berufung wurde nicht mehr rückgängig gemacht, und Bebsamenentschloss sich nun, wenn auch mit etwelcher Besorgnis ob der neuenund weit grossem Verantwortlichkeit, ihr Folge zu leisten. Besser, alser gehofft hatte, gelang es ihm auch hier, die Aufgabe seines Amtes zuerfüllen und sich die ungeteilte Anerkennung seiner Mitarbeiter undVorgesetzten zu erwerben. Es hat auch hier ein guter Stern überseinem Leben gewaltet; denn sein Wirken an der Musterschule zu Küs-nacht gab einen bedeutsamen Baustein zu seiner praktischen Bildungab und wurde später die Veranlassung dazu, dass sein bewährtesKönnen ganz in den Dienst der Erziehung und der Schule, und zwaran hervorragender Stelle, gezogen wurde.

Die Verhältnisse am Seminar waren indes nicht so angetan, umihn dauernd fesseln zu können; auch wollte sich sein reger, weitaus-blickender Geist mit der Bildung, die ihm auf der Stufe des Primar-lehrers erreichbar schien, nicht begnügen. Nach einer Lehrtätigkeit vonzwei Jahren im Dienste der Übungsschule fühlte sich Rebsamen ge-drungen, eine folgewichtige Veränderung in seiner Laufbahn herbeizu-führen. Er fasste den für seine Freunde ziemlich unerwarteten Ent-schluss, Theologie zu studiren und sich dem geistlichen Berufe zu wid-men, was notwendig machte, dass er unverweilt zur Aufnahme derklassischen Studien überging. Er hatte dazu bereits in Turbental alsLateinschüler und im Lehramt einen bescheidenen Grund gelegt, aufdem er weiter baute. Es zog ihn vor allem zu den Wissenschaften hin,zur tiefem Erkenntnis der Wahrheit, zu einer grossen, umfassendenund harmonischen Weltanschauung, und sodann allerdings auch zu einemfreieren und grösseren Wirkungskreise, dessen Art und Natur ihm wohldamals noch nicht völlig klar vor Augen stand.

Nachdem er mit ehrendem Zeugnis seine Entlassung erhalten, wid-mete er sich in Zürich einige Zeit nur dem Studium der alten Sprachen(Latein und Griechisch), und zwar mit solcher Kraft und mit so be-

2 ) Nach handschr. Auszügen aus den zürcher. Arch. von Prof. Dr. 0. Hunziker;mündlicher Überlieferung zufolge hat R. noch vorher an den Schulen zu Meilen undAltstätten einige Zeit als Lehrer gewirkt.