Buch 
Schweizerische Literaturbriefe / von Eduard Korrodi
Entstehung
Seite
8
JPEG-Download
 

dem Rücken gegen den Leser geschrieben, nie imWiderspruch zur Zeit; unterhaltend, doch nichtbeistehend, keine Stirnfalte, keine Nachdenklichkeitbegehrend, kein Entweder-Oder wagend, immerunter ein Sowohl-Alsauch sich duckend; solcheine Literatur kann dem geistig begehrlicheren Teilder Schweiz selbst nicht genügen. Vielen sägt esam Herzen, dass wir nur Seldwyler, und nichteinmal einen Ibsenschen Brand helvetischen Her-kommens, einen Peer Gynt, eine Bruderseele Jean-Christophes besitzen sollen, dass bildlich gespro-chen - der zweite Teil des Martin Salander, despolitischen Romans von grossem Stil, noch nicht ge-schrieben wurde, dass der als grosseSonnenVer-finsterung verschriene August Strindberg es war,der, wie Robert Faesi in einem Essay über Strind-bergsSchweizernovellen" ausführte, die Schweiz als das kleine Miniaturmodell darstellte, auf welchemdas Europa der Zukunft aufgebaut wird. Er auchist der Entdecker und erste Schildererder inter-nationalen Lebenssphäre der Schweiz ". Uns stimmtes nachdenklich, dass der Bauer, für den dieGrenzen der Welt mit der Grenze seines Ackers -nach dem eigenen Zeugnis eines Bauemschildererszusammenfallen, die einzige repräsentative Figurunserer Schweizerdichtung sein soll; es müsste garnicht unbedingt so sein, eine Tolstoische Bauem-figur oder ein Zeigerhaniss um Alfred Huggen-bergers beste, tiefste Gestalt zu nennen darf nichtnur der Erkenner der Grenze, er muss auch der

8