Buch 
Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
Entstehung
JPEG-Download
 

Die Schweiz bietet für die Wirtschaftswissenschaften und Wirtschafts-politik reichhaltigen und lehrreichen Stoff. Mit Recht wird sie zu denVersuchsfeldern gezählt, welche eine gütige Vorsehung den Völkern ge-schenkt, um darauf die Vehikel künftigen Fortschreitens zu erproben.

Im Mittelpunkt Europas gelegen, birgt sie durch die große Ab-stufung der Bodenerhöhung nicht nur alle Klimate und alle Kulturartendieses Erdteils, sondern auch eine reiche Musterkarte wirtschaftlicher Ent-wickelungsstadien: das Nomadenleben der Hirtenvölker neben hoch ent-wickelter Fremdenindustrie, den Handwerker auf der Stör und die fort-geschrittenen Fabrikindustrien, deren Erzeugnisse auf den Märkten derganzen Welt mit denen der bedeutendsten Jndustrievölker konkurriren.

Über den mannigfachsten demokratischen Institutionen der 25 auto-nomen Staaten wölbt sich der moderne Verfassungsbau des Bundes,welcher drei fremde Nationalitäten zu gemeinsamen Zielen friedlich undwirksam vereinigt.

Die Umgestaltung der Erwerbs- und Wirtschaftsbedingungen durchdie Ausdehnung des großkapitalistischen Betriebs muß sich auf diesemHintergrund besonders wirksam abheben und in den Köpfen der davonzunächst betroffenen Interessengruppen mannigfach spiegeln.

Dem schweizerischen Volkscharakter entsprechend tritt diese Verschieden-heit der Auffassung jeweils bei den Vorbereitungen auf die Handels-vertragsabschlüsse besonders lebhaft zu Tage; denn das ist eine Frage,welcher sozusagen der letzte Mann Interesse schenkt, über deren Er-ledigung sich die Köpfe erhitzen und die Gemüter verbittern. Landwirt-schaft, Gewerbe und Großindustrie stehen einander zum Teil als feind-