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Die Schweiz als Industriestaat / von Dr. Emil Hofmann, Nationalrat in Frauenfeld
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sonders günstigen neunziger Jahren entstand eine große Zahl solcherFabriken. Diese Industrie umfaßt gegenwärtig ungefähr 30 Fabrikenmit 1000 Arbeitern.

Der Seifenfabrikation, welche auch bei uns bis zu Anfangdes 19. Jahrhunderts Kleingewerbe war, brachte die Entwickelung desVerkehrs eine Reihe neuer, nützlicher Fette und der Fortschritt derTechnik, den Dampf als Heizmaterial an Stelle der direkten Feuerungsowie als automatischen und gründlichen Mischer der flüssigen Seife imKessel. Mit diesen Neuerungen ausgerüstet ging sie siegreich aus demKampfe mit den ausländischen Produkten hervor, wozu die Zollerhöhungvon 1892 und der Zollkrieg mit Frankreich übrigens auch das ihrigebeigetragen haben. Dies zeigt sich am deutlichsten im Rückgang desBezugs fremder Seifen.

Es wurden g eingeführt im Jahre:

1889:

1891:

1895:

1896:

1900:

Gewöhnliche Seifen

a 27,101

33,892

26,872

24,109

15,787

Parfümirte

<1 1,386

2,094

863

918

896

Deckt die inländische Seifenfabrikation unsern Bedarf nicht ganzund hatten wir in den letzten fünf Jahren hiefür noch jährlich überl Million Franken ans Ausland zu bezahlen, so ist unsere Stärke-und Dextrinindustrie mit der Entwickelung der Textilindustrie auchohne Zollschutz so erstarkt, daß sie die Konkurrenz ausländischer Produktebis jetzt siegreich abzuwehren vermochte. Die Produktion der fünf großemAnlagen deckt den Bedarf der Schweiz , der sich auf ca. 20,000 Weizen-amlung, 5000 4 Maisamlung, 3000 cx Wienerpapp und 6500 Dextrinund gebrannte Amlung erstreckt, vollkommen.

Die Bleicherei erfuhr durch die Einführung der sog. Schnell-bleicherei, welche im Jahr 1800 in St. Gallen einsetzte, eine Umwandlung.Doch wurde sie von der englischen, schottischen und sächsischen sowie derfranzösischen Bleicherei weit überholt, bis auf Anregung der Industrie-kommission des Kantons Appenzell A.-Rh. ein 1864 aus Schottland be-rufener Fachmann sowie verschiedene Verbesserungen in den siebziger undachtziger Jahren sie auf die Höhe der Zeit brachten. Heute mögen nochrund 500 Arbeiter ausschließlich mit der Bleicherei beschäftigt sein.

Die Baumwoll- und Seidenfabrikation rief auch einer tüchtigenFärberei als Hülfsmdustrie, deren Fortschritte zumeist der Druckereiund Buntweberei zu gut kommen. Die Schicksale des völlig selbständigenIndustriezweiges der schweizerischen Türkischrot- oder Krappfärberei sind