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reichen Markt finden lassen. Damals wurden auch Handelsverbindungenangeknüpft mit dem Kaiserreich Brasilien, mit den unermeßlichen spanisch-amerikanischen Ländern, die sich vom Mutterlande losgelöst hatten, mitder Levante , ja sogar die weltfernen indischen und ostasiatischen Märktebegannen in die unmittelbaren Operationen unseres Großhandels ein-bezogen zu werden.
Dem Wechsel der Zollpolitik und dem Wandel der Absatzverhältnisse,allen Krisen und Verschiebungen des Weltmarktes zum Trotz hat derschweizerische Handel sich in seiner naturgemäßen Entwickelung nichtstören lassen. Er wußte immer und immer wieder selbst aus denschwierigsten Situationen einen Ausweg zu finden, geschlagene Wundenrasch zu verschmerzen, verlorene Posten durch neue zu ersetzen. Darumist es ganz natürlich, daß heute aus beinahe allen Handelsplätzen derWelt schweizerische Firmen existiren. Dieselben, meistens gegründet, umden Erzeugnissen der einheimischen Industrie Absatz zu verschaffen, habenihre Wirksamkeit ausgedehnt, in alle möglichen Zweige des Welthandelseingreifend.
Dabei kommt ihr neben allem andern dreierlei zu statten. Einmalsind die Schweizer in einem Lande mit drei Weltsprachen geboreneLinguisten und darum in den Häfen des Weltmarktes den Engländern,Franzosen und Spaniern fast immer voraus. Sodann besteht nur einTeil der Fabrikanten aus selbst ausführenden Kaufleuten, wodurch sicheine richtige Teilung der Arbeit und eine eigene Art von Zwischenhandelentwickelt. Endlich sind viele der nach überseeischen Plätzen gehendenSendungen nicht fest verkaufte Waren, sondern in Kommission gegebene,sogenannte Konsignationssendungen, was namentlich bei den Baumwollcn-artikeln der Ostschweiz und beim Uhrenhandel rc. der Fall ist. DieserKonsignationsvertrieb ist in Händen von Schweizern, welche sich imAusland etablirt haben, oder die Exporteure haben ihre eigenen Comptoirsund zum Vertrieb der Waren speziell engagirte Leute in den Stapel-plätzen der Welt.
Der Kinfuljrljandet hat sich im Vergleich zu früheren Zeiten, daer seinen Sitz in Basel und in Genf hatte, mehr und mehr dezentralisirt.Die Eisenbahnen haben manche Handelszweige, wie z. B. den Getreide-nnd den Weinhandel, eine großartige Organisation und einen großenZuschnitt gewinnen lassen, während sie andere, wie z. B. den Baumwoll-nnd Seidenhandel, einen Teil ihrer frühern Bedeutung als kommerzielleBranche verlieren ließen.
Der Aransit durch die Schweiz büßte seit Anfang des 19. Jahr-hunderts viel von seiner frühern Bedeutung ein durch die Vervollkomm-