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3. Die Hauptabnehmer -er Schweiz .
Nachdem wir die wichtigsten Gegenstände unseres internationalenHandels kennen gelernt, werfen wir einen Blick auf den Handelsverkehrmit den einzelnen Ländern, auf unsere Hauptabnehmer und Hauptliefer-anten. Die natürlichen und künstlichen Verschiebungen, welche in dieserRichtung stattgefunden haben, sind teils früher schon geschildert worden,teils sollen sie bei der Darstellung der Handelspolitik unseres Landesnoch etwas ergänzt werden. Daher werden uns hier bloß diese Ver-schiebungen an sich beschäftigen.
Ende der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurden die LänderAmerikas und der Levante als die „Hauptansflüsse" der schweizerischenJndustrieprodnkte angesehen. Doch war es damals schwer, sich genaueBegriffe über die Wichtigkeit der Handelsverbindungen der Schweiz mitso entfernten überseeischen Ländern zu verschaffen, weil gewöhnlich bloßder Einschiffungsort oder das Fahrzeug von den Mauthbehörden bezeichnetwurde. Etwa zehn Jahre später bezeichnete Emminghaus die europäischen Handelsverbindungen gegenüber den außereuropäischen immer noch alssehr gering, weil die erstem, wenn man von den durch großes Gewichtund Transportunfähigkeit sich auszeichnenden Gegenständen absehe, ledig-lich auf den Transit beschränkt seien und nur wenige Produkte derschweizerischen Industrie die hohen Schutzzölle der europäischen Staatenvertragen.
Immerhin gingen 1862 53, § °/o der Gesamtausfuhr unseres Landesin den Spezialhandel der vier Nachbarländer über, 1885 war dies bei59, g o/o, 1891 bei 55,i°/g und 1900 bei 47,ggO/g der Fall. Rechnetman dazu noch England, welches seit lange ein Hauptabnehmer schwei-zerischer Waren ist, so begreift man es, daß 1891 81,§o/o und 190078, M o/o der Gesamtausfuhr in den Spezialhandel europäischer Länderübergingen. Am Rest, welcher sich auf die andern Erdteile verteilte, istAmerika mit 14 ,-zO/o, wovon 11,^°/g auf die Vereinigten Staaten entfallen, der Hauptbeteiligte.
Unter den vier Nachbarländern steht Seutschtimd als Abnehmerder Schweiz weit obenan. Daß dies nicht immer so war, ist aus dembereits Gesagten zu entnehmen. Nach Franscini bestand die Ausfuhrder Schweiz für den Verbrauch der Länder des deutschen Zollvereins ineiner mittelmäßigen Quantität Wein, Kühe, Seidenstoffe, baumwollenerGarne und Zeuge, Uhrenwaren, Bücher u. s. w., deren Wert auf rund