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Fürsten, des Herzogs Friedrich von Oesterreich und des Herzogs Leopold , seines Bruders. Es ist auch von uns beschlossen, nach derKaiser geschriebenem Rechte und nach gesammtem Urtheil, daß dievorgenannten Männer ihr Leute und ihr Gut nicht verändern mögen,weder mit Verkaufen, noch mit Versetzen, auf keinerlei Weise, dennLeut und Gut sind dem Reich anheimgefallen, seit die Thäter miteinander oder einzeln des Mordes übereingekommen. Eben so sollenAlle, welche diese verurtheilten Männer, mit Vorwissen des Mor-des, hauseten, hosten und beherbergen, seit sie den Mord an unsermseligen Vorfahren des Reichs begangen, in gleiche Schuld verfallensein, wie die, welche des Mordes wegen verurthcilt wurden. DieserSpruch ist gefällt worden nach kaiserlichem Rechte, durch diesen Briefzur öffentlichen Kunde gebracht und gesiegelt mit dem königlichenSiegel. Gegeben zu Speyer am Donnerstag vor Sankt MorizenTag, da man zählte von Gottes Geburt 1309 im ersten Jahre un-sers Reiches."
Dumpf und schweigend hatte die Menge der Verlesung des Brie-fes zugehört, dumpf und schweigend lief dieselbe, als der Herold zuEnde war, nach allen Seiten auseinander. Nur Kuni von Stocken,der Hofnarr des Herzogs Leopold, sagte: „Die Welt hat sich ge-bessert. Als König Adolf von dem einäugigen Vetter ermordet wor-den, haben sie diesen zum König gemacht. Jetzt aber, da der HerrNeffe aus Böhmenland so einfältig war, dem einäugigen Vetter denSpieß in den Leib zu rennen, da gehen sie hin, sprechen die Rcichsachtüber ihn aus und erklären ihn und seine Freunde für vogelfrei.Wäre der König Heinrich nicht so gerecht und die Churfürsten nichtdie frömmsten Männer im heiligen römischen Reich: so wüßte ichnicht, was denken; die Welt wäre dann recht närrisch, schier so pu-delnärrisch, wie der Kuni von Stocken."