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Führer von Wien nach Genf / unter Mitwirkung namhafter Touristen Oesterreichs und der Schweiz ; herausgegeben von Bernhard Frey in Winterthur
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Genf .

Genf, abgesehen davon, dass hier Frankreich, Italien, Deutsch-land u. die Schweiz ihre Schätze austauschen, zur Metropoledes Fremdenverkehrs in Europa geworden ist.

Der tiefblaue Genfersee (Lacus Lemanus, Lac Leman ), dergrösste See der Schweiz , 371 M. ii. M., dehnt sich in Gestalteines gegen Süden gekrümmten Halbmonds mit einem Flächen- *

inhalt von 578 Q -Km. zwischen dem schweizerischen u. demsavoyischen Gebiete aus. Die Länge des Sees, dessen östlicheSpitze im Laufe der Jahrtausende von der hier einmündendenRhone durch Schuttabiagerungen ausgefüllt wurde, beträgt 90Kilom., die grösste Breite (zwischen Evian u. St. Sulpice) 15Kilom.; der Haupttheil hat an seiner tiefsten Stelle (Vevey-Meillerie) 300 M. Tiefe. Der westliche, kleinere, stromähnliche j

Arm bis Genf heisst derKleine See u. ist nur ca. 75 M.tief. Die wegen ihrer Schönheit berühmten Uferlandschaftensind von Dichtern verschiedener Nationen verherrlicht worden.

Fast das ganze Nordufer hat nur Hügelform; der Jorat, alshöchster Punkt, erhebt sich nur 553 M. über den See. Inreichem blühendem Anbau, mit herrlichen Rebgeländen u. zahl- j

losen sauberen Häusern, eleganten Villen u. glänzenden Hotels j

prangt u. lockt das reizende schweizerische Gelände, w'ährend ^

das savoyische Südufer eine Landschaft von ernstem u. ein-samem Charakter mit weit spärlicherer Kultur aufweist. VonGenf bis Evian ist die Strecke grösstentheils eben, dahinterwaldbewachsene Höhen; weiterhin erheben sich steile, gross-artige Gebirgsmassen, höher u. höher bis zur wolkenumhülltensavoyischen Firnwelt. Eine eigenthümliche Erscheinung istim östl. Becken des Sees eine im Herbst u. Frühjahr nachverschiedenen Richtungen hin wahrzunehmende starke Strö-mung, von den AnwohnernLardeyre genannt. Ein anderesmerkw. Phänomen ist die von Zeit zu Zeit wiederkehrende,an Ebbe u. Fluth des Meeres erinnernde Veränderung im"Wasserstande des Seespiegels. Diese Erscheinung, welche dieGenfer u. Waadtländer Seyches nennen, tritt bei völlig wind-stiller Luft ohne "Wellenschlag u. äusserlich sichtbare Strömungein u. wird dem ungleichen Druck der Luftsäulen zugeschrieben, *

welche gleichzeitig auf verschiedene Stellen der Wasserflächeeinwirken. Bei Genf ist die Bewegung am stärksten u. er-reicht bisweilen l/a M. Ferner beobachtet man die Luft-spiegelungen der Wüste (Mirages) u. die Fata Morgana Unter-italiens; auch treten Wasserhosen periodiscli auf dem Genfersee auf. Der kälteste unter den auf dem See herrschenden Windenist dieBise, ein Nordostwind. Der Regen bringende Süd-westwind heisst vorzugsweise derGenfer , u. ein anderer