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Der schweizerische Schul- und Hausfreund, ein Lesebuch für die Ergänzungs- und Sekundarschule und für den Familienkreis / von Dr. Thomas Scherr
Entstehung
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86
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ihren Bauwerken schleppen. Aber auch die trägern Thiere empfindenden Sonnenreiz: das Krokodil steigt vom Schlamme des untern Ufersweiter herauf und lagert sich in den heißen Sand; Schildkröten undEidechsen werden aus ihren feuchten Schatten hervorgelockt; buntschillerndeund düsterfarbige Schlangen schleichen in die warm beleuchteten Fuß-wege. Die Wolken senken sich tief, sie sondern sich schichtenweise ab,immer schwerer, dichter, düsterer umhüllen sie bläulichgrau den Horizont;gegen das Zenith thürmen sie sich an zu Hellern, weit verbreitetenMasten, ein Abbild riesiger Gebirge in der Luft. Auf einmal überziehtsich der ganze Himmel; nur hie und da blickt noch die tiefe Bläuezwischen durch; die Sonne verbirgt sich, aber um so heißer liegt dieGlut der Luft auf der Landschaft.

Mittag ist vorüber: trüb, schwer, melancholisch hängt diese Stundeüber der Natur; immer tiefer greift die Spannung, und das Weh ist da,welches die Luft des Tages gezeugt hat. Hunger und Durst jagen dieThiere umher; nur die ruhigen, die trägen, in die Schatten des Waldesgeflüchteten ahnen Nichts von der gewaltigen Krise der Natur. Abersie kommt: schon erkältet sich die Luft, die Winde fahren wild gegeneinander: sie wühlen den Wald auf, und dann das Meer, das immerschwärzer einherwogt, und die Flüsse, die dunkler und vom Winde über-tönt lautlos dahin zu fließen scheinen. Der Sturm ist da! Zwei-,dreimal reißt ein fahler Blitz durch die Wolken; zwei-, dreimal rollt derDonner, rollt langsam, ruhig, erbebend; Tropfen fallen. Die Pflan-zen athmen aus der Ermattung neu auf; ein neuer Donner undnicht Regen, Wasserströme gießt nun der erschütterte Himmel aus. DerWald erseufzt; das lispelnde Plätschern der bewegten Blätter wächst zumRauschen an, zum weithin tönenden dumpfen Getrommel. Blumenschwanken, Blätter fallen, zerrissene Aeste, morsche Stämme stürzen; mitGewalt nimmt der Orkan den letzten Reiz der Zartheit von den nieder-gedrückten Pflanzengeschlechtern. Auch die Thierwelt hat diese furcht-bare Stunde ergriffen: verstummt, entsetzt flattert das Gefieder desWaldes am Boden; zitternd suchen die zahllosen Geschlechter der Insek-ten unter Blättern, an Stämmen Schutz; von Krieg und Mord abge-mahnt, läßt das Säugethier nach in der Verfolgung; nur die kaltblütigenAmphibien freuen sich der herabstürzenden Flut, und tausendstimmigsingen die Chöre der Frösche und Unken aus den feuchten Wiesenauf. In Bächen rauscht das trübe Wasser durch die engen Wald-wege dem Strome zu, oder ergießt sich in die Riffe des Bodens.Mehr und mehr nimmt dabei die Temperatur der Luft ab, die Wolkenentleeren sich allmälig, aber nur noch kurze Zeit, und der Sturmist vorüber.

In verjüngtem Glänze tritt die Sonne aus langgedehnten Wolken-schichten hervor, die mehr und mehr auseinander ziehen, nach Südenund Norden sich senken und wie am Morgen in dünnen leichten Ge-stalten den azurnen Grund des Firmaments umsäumen. Schon lächelt