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Der schweizerische Schul- und Hausfreund, ein Lesebuch für die Ergänzungs- und Sekundarschule und für den Familienkreis / von Dr. Thomas Scherr
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1688 die Archive der Winzergilde von einer Feuersbrunst zerstört worden.Einige finden Gefallen daran, den Ursprung des waatländischen Festesim griechischen Alterthume aufzusuchen, in jenen zu Ehren des Bacchusund der Ceres gefeierten Aläonen. Andere meinen, die Mönche vonHautcrest, welchen wir die Urbarmachung der Berge des Ryfthales ver-danken, haben durch Preisgaben, mit einem Umzüge und einem Schmauseden Fleiß des dortigen Winzers belohnt: allmälig habe der Umzug, beiwelchem der Denkspruch jener Mönche: Orn et labora (bete und arbeite)!auf einer Fahne gestanden, an Umfang gewonnen, indem er sich mitneuen Szenen und neuen Sinnbildern bereichert habe, und sei so zujener glänzenden dramatischen Allegorie geworden, die am Fuße derViviser Berge wiederum in den Jahren 1797, 1819 und 1833 voreinem zahlreich versammelten Volke aufgeführt worden ist.

Da auf dem waatländer Boden der Weinstock die edelste Pflanzeist, so gibt auch der Feldbauer bei seinen Festen dem Bacchus die ersteEhre. Vor ihm her schreitet der Frühling, mit Weinlaub die Winzerbekränzend, die sich am meisten um das Vaterland verdient gemachthaben. Vierzig junge Burschen tragen die zum Weinbau erforderlichenWerkzeuge. Opferpriester führen den heiligen Widder und Kanephorentragen den Altar. Der Oberpriester geht vor dem Gatte her. Endlicherscheint unter den Zügen eines anmuthigen, strotzenden Kindes der Gottselbst, von Mohren getragen. Ihm folgt auf einem Esel schaukelndSilen. Faunen und Bacchanten erfüllen die Lust mit ihren Gesängen,die bald ernst und in französischer Sprache, bald ausgelassen und zwei-deutig und in der wälschen Mundart daherrauschen.

Vor dem Gefolge des Bacchus her ziehen Ceres und Pallas; jene beglei-tet von Priesterinnen, von Schnitterinnen, Aehrenleserinnen, Kornschwingernund Kanephoren: diese von Hirten, Mähern, Heuern und von Sennen,welche das Geräthe ihrer Alpenhütte nachschleppen. Ueberall ertönen Ge-sänge : die ältesten jedoch und die meisten sind dem Gotte der Reben geweiht.

Nach dem Gefolge des Bacchus tritt der Herbst auf. Vier Flur-schützen tragen die Weintraube von Kanaan. In ihrer Feueresse schmie-den die Kyklopen die Werkzeuge des Winzers. Weinleser und Wein-leserinnen treten gemessenen Schrittes hervor. Auf einem ungeheuernWagen kömmt die Arche Noa's hergefahren, woran man den Patriarchenmit seinen Söhnen eine Reblaube heraufziehen sieht. Darauf erscheintendlich eine ländliche Hochzeit. Zur Thüre hinein erblickt man hier eineSpinnerinn, dort ein Waffeleisen; im Schornstein zeigt sich der Kamin-feger. Dann tritt der Freiherr mit seiner Gemahlinn am Arme undder Bräutigam mit seiner Braut vorwärts, bis der Notar zum Zeichender Gleichheit, was früher als eine Gunst betrachtet wurde, mit derSchloßdame ein Menuet und der Freiherr mit der Braut eine Allemandetanzt, wozu die vor dem Aussteuerwagen gehenden Brautführer ein Liedanstimmen. Den Zug schließt eine Schar alter Schweizer in der Trachtdes Wilhelm Tell .