Buch 
Was ist nach dem Vorgehen des Bundes zur Bekämpfung des Alkoholismus weiter zu thun mit besonderer Rücksicht auf die Heiligung des Sonntags? : Referat an die Versammlung der Thurgauischen gemeinnützigen Gesellschaft zu Frauenfeld, den 7. Juli 1885 / von Jac. Christinger, Pfarrer
Entstehung
Seite
22
JPEG-Download
 

22

blos das Bedürfniss nach geistigen Getränken, was den Arbeiter,besonders im Winter, ins Wirthshaus treibt, es ist auch derTrieb nach Geselligkeit, nach Anregung und freiem Gedanken-austausch, nach geistigem Leben und Nahrung für Phantasie undGemüth, gar nicht selten auch das Bedürfniss nach einem warmen,behaglichen Lokal, um seine Abendstunden ohne kalte Püsse undLangeweile darin zuzubringen. Mögen die Herren Arbeitgeberund wohlhabenden Menschenfreunde dessen eingedenk sein, dasssie durch dieses Mittel ihren Arbeitern und Mitbürgern eineWohltliat erweisen, welche auf ihr ganzes sittliches Leben heilsameinwirken und manchen Jüngling und Mann vor der Gefahr desAlkoholismus oder leichtsinniger Lebensführung bewahren mag.

Kaffee- und Theewirthschaften, wie sie namentlich in Eng-land im Interesse der Massigkeit zahlreich eingeführt wurdenund sich dort auch als durchwegs heilsam bewährt haben, sindhier zu Lande nicht unbedingtes Bedürfniss, doch verdienen sieauch nicht, mit Geringschätzung .und wohlfeilem Spotte behandeltzu werden, da sie namentlich in Städten der guten Sache derMassigkeit und rationellen Ernährung treffliche Dienste leistenkönnen.

Der Kaffee ist der beste Bundesgenosse bei der Bekämpfungder Branntweinpest, sagt ein deutscher Naturforscher; mit ausser-ordentlichem Nutzen wird er von den Bewohnern kalter undzugleich feuchter Gegenden genossen ; bei den englischen Hafen-arbeitern ist er beinahe das einzige Mittel, um den Wisky zuverdrängen; auch bei der deutschen Armee im Felde hat er sichtrefflich bewährt.

Da eine richtige und hinreichend kräftige Ernährung dieVersuchung des Alkohols abschwächt, eine schwache und ein-seitige Kost aber dafür um so empfänglicher macht, so sindauch Koch- und Haushaltungskurse zu fördern, welche die Be-reitung einer kräftigen und schmackhaften häuslichen Nahrungnicht blos in den Küchen der Wohlhabenden, sondern auch inden Hütten des armen Arbeiters verbreiten sollen. Und mit diesenKursen sollten auch populäre Vorträge über Lehre der Nahrungs-mittel verbunden sein, um die elementaren Grundsätze der Er-nährung dahin zu bringen, wo sie am meisten nützen können,in die Einsicht des Volkes, in Verstand und Gedächtniss derweiblichen Jugend. Es gibt dort noch so manchen argenSchlendrian und Aberglauben zu bekämpfen in Bezug auf das,