Buch 
Fest-Schrift auf das fünfzigjährige Jubiläum des thurgauischen Sängerverbandes in Neukirch-Egnach den 24. Juni 1878 / von J. Michel, Präsident des Festkomité in Neukirch-Egnach
Seite
16
JPEG-Download
 

tiger Redner oder den Einzelngcsängcn von Vereinen auf der Bahne.Aber einerseits der Zndrang von Unberufenen auf die Redncrbühnc,welche, oft unvorbereitet, keinen Schluß zu ihrer Rede finden können;anderseits das gewaltsame Eindringen von Festbummlern in dieFesthakte, verursachen nur zu oft, daß die Gemüthlichkeit in lärmendenFestesjubel ausartet. Bald wird dann der Subjektivismus, ohnehinsehr groß in unsern Tagen, so stark, daß keine Autorität mehr an-erkannt, keinem Befehle und keiner Bitte mehr Folge geleistet wird.

Aus zwei Festberichtcn von anerkannten Fachmännern, Hr. Heimin Zirich und Hr. E. Hafster, Negicrnngsrath in Fraucnfeld,können wir die erfreuliche Thatsache entnehmen, daß unser Kantonal-sangervcrein bedeutende Fortschritte gemacht hat. Zu diesem schönenResultate hat der Dircktorenkurs in Kreuzlingen , geleitet vomSängervater Weber, wesentlich beigetragen. Hr. Heim, der umden Bolksgcsang so hoch verdiente Musikdirektor in Zürich , sagt inseinem Berichte über das Süngerfest in Kreuzlingen :Es zeigtesich ein so rüstiges Borschrciten auf guten Wegen, ein so bewußtesRingen nach höheren Zielen, daß der Volksgesang im Thurgau inBälde sich ebenbürtig erweisen muß jenem der besten schweizerischenKantone, ein unentwegtes Beharren auf der nun erfolgreich be-tretenen Bahn vorausgesetzt." Hr. Heim lobt das fleißige Stu-dium der Gesammtchöre, wünscht jedoch eine korrektere Behandlungder Konsonanten und eine bestimmtere und hellere Vokalisation, gleich-zeitiges Eingreifen und Abschließen der Stimmen und größere rhyth-mische Präzision.

Ueber die Leistungen am Sängertage in Dießenhofen 1876läßt sich unser Hr. Direktor. C. Hafster also vernehmen:Dieallgemeinen Ehöre waren durchwegs gut einstudirt, dagegen fehltees bei mehreren Nummern an der nöthigen Präzision, weil eingroßer Theil der Sänger trotz aller Mahnung der Direktion nichtdie unerläßliche Aufmerksamkeit schenkte. Die Männerchöre gelangenrhythmisch entschieden besser, als die gemischten Ehöre, einige Num-mern vorzüglich, so daß der Präsident des Kampfgerichtes, Hr.