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Aus dem Hungerjahr 1817 : : Stimmungsbild aus Bischofszell / / [Theodor Bridler?]
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der Folge manchen stillen, ja selbst offenen Gegner eintrug.Er war sich Wohl bewußt, daß auch die eben ergangene Be-schwerde an die Regierung größtenteils eine persönliche Spitzegegen ihn trug. Darum suchte er vor allem den Mann zustellen, um in diesem Strauße nicht unterliegen zu müssen.Sem Ehrgeiz als Diktator der Stadt hätte eine solche Ver-demütigung nicht ertragen können. Tiefsinnig schritt Dr.Scherb in seinem Studierzimmer auf und ab, überlegend, wasWohl das Beste wäre. Bald war er Herr der Situation. Ineinem Rundschreiben wollte er die sämtlichen Mitglieder desStadtrates um ihre Meinung befragen. Das Zirkular, daser andern Tags in den Morgenstunden schon durch den Poli-zeidiener Gonzenbach austragen ließ, lautete also:

Verehrteste Herren!

Ich ersuche Sie hiemit inliegenden Antworts-Entwurf anden Kleinen Rath zu prüfen; zu gleicher Zeit lege ich einengestern von Hrn. Oberamtman Kreiß erhaltenen hierauf Be-zug habenden Brief bey, nebst der proiectierten Antwort, wieich Sie dem Sinne vorgestrigen Beschlutzes consorm glaubte.

Mit der Bitte diesem Circular möglichst schnellen Laufzu geben, darmit die Expetition morgen sicher vor sich gehenkönne u. allfällig gutfindende Abänderung in dem einen oderandern bey den respectiven Rammen anzumerken, empfehlemich Ihnen Höflich

Bischoffzell, d. 27ten Junj 1817.

Dr. Scherb, Stadtammann."

Frühzeitig erschien Gonzenbach am andern Morgen imHaus Nr. 1 an der Marktgasse, um die Aufträge entgegenzu-nehmen. Wenngleich der Stadtamtmann im Schlafrock dieWeisungen an den Polizeidiener erteilte, so war es letzteremdoch nicht entgangen, daß sein Vorgesetzter ohne Zweifel schonvor ihm die Arbeit aufgesucht hatte. Die Augen zeigten näm-lich nicht die geringste Spur von Mattigkeit, sondern sie war-fen mit einer solchen Frische ihre Blicke bald da-, bald dort-hin, daß es für den Untergebenen nicht mehr vieler Wortebedurfte, um ihn an seine Pflicht zu erinnern. Mit gewich-tiger Miene, im Vollgefühl seiner Stellung als städtischer Be-amter, schloß Gonzenbach die Türe hinter sich zu und lief ge-messenen Schrittes, die Aktenrolle unterm linken Arm, amBrunnen und der Stadtmetzg vorbei über den kleinen Platznach dem Hause des Herrn Kantonsrat Daller. Er warso unvermerkt am Ziel angelangt, daß ihm keine Zeit bliebdarüber nachzusinnen, was Wohl den Stadtamtmann heute sofrühzeitig aus den Federn getrieben hätte. Vorsichtig zog