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die amtliche Rolle entdeckt, und das Herz brannte vor Neugier.Rasch legte Frau Anna Barbara, geborene Märkin, ihrehalb vollendete Handarbeit auf das am Fenster stehende Tisch-chen, schritt mit Grandezza nach der Mitte der Stube undwünschte Einsicht zu nehmen in die Geheimnisse ihres Ehe-gespons. Dem Ratsherr wars, als hätte er eine Ahnung,was die Akten enthalten möchten. In den letzten Tagen bliesder Wind aus einer andern Richtung, und sonderbare Ge-rüchte aus der Gaststube des Löwenwirts und Bäckers Wehr-lin fanden ihren Weg in die „Linde" hinüber. Sonntagabends den 22. Juni wäre Felix Schlatter im TischgesprächMit seinen Gästen beinahe heftig geworden. Man munkeltevon einer Beschwerdeschrist der Petitionäre an die Landes-regierung. Wie ein zündender Funke schlug diese Neuigkeitan das Ohr des Lindenwirts; er wurde von einer momen-tanen Gemütsaufwallung erfaßt, und seine Stimme übertöntedie andern. Da ging plötzlich die Nebentüre auf, und FrauBarbara verstand es in sehr dezenter Weise, durch ein leich-tes Augenzwinkern ihren Gemahl an Amt und Würde zu er-innern. Des Ratsherrn Zorn legte sich äußerlich alsbaldwieder. In seinem Innern aber erlosch die Flamme der Ent-rüstung erst, als der Schlaf ihn in seinen Armen wiegte unddie Nacht ihre schützenden Fittiche über ihn ausbreitete. Festhatte Schlatter an diesem Abend schon sein Urteil über dieUndankbaren gefällt und hievon wich er auch heute keinenZoll ab. Darum schrieb er zum Schluß hin:
„Vor die Abfaßung des Memorials Danke auch verbind-lich und stimme Hrn. Cantons-Nath G. Fridrich Daller gänz- 'lich bey. Felix Schlatter zur Linden."'
Gonzenbach hatte sich ruhig Zeit gelassen beim Glase.Da stand schon der Wirt vor ihm und legte die Beilagen ge-rollt und versiegelt auf den Tisch. Der Bettelvogt schütteteden Rest des Mostes in seine durstige Kehle, und mit einem„Vergelts Gott!" empfahl er sich dem Herrn Stadtrat. Nunwar er mit seiner Jagd zu Ende; es blieb ihm einzig nochübrig, die Beute in der herrschaftlichen Küche abzugeben. Daswar bald erledigt, und Dr. Scherb entließ den Polizeidiener
Bevor Dr. Scherb zum gedeckten Tisch schritt, mußte ersich zuerst Gewißheit verschaffen vom Erfolg der Zirkulation.Gierig verschlang er die Ansichten seiner Amtskollegen, ganzbesonders freute ihn das offene Manneswort des HerrnStatthalter Daller. Die trefflichen Voten, die sich auch dies-mal völlig seinem Gedankenfluge anschmiegten, bildeten heutedie köstlichste Würze seines bescheidenen Mittagsmahles. Aufdie gewohnte Erholung nach dem Essen verzichtete er leich-