Inzwischen trat die ernstere Frage an Roth heran,welche Berufsthätigkeit er für sein Leben wählen wolle.Bei seinem Gehörleiden waren ihm Gerichts- und Raths-Kollegien verschlossen, und doch drängten ihn Studienund Neigung auf irgend eine staatsrechtliche Bethätigung.So faßte er die Publizistik ins Auge, gewissermaßen alseine wissenschaftlich-praktische Carriere. Vorerst schrieb erdie staatsrechtliche Abhandlung über die „Zustände derLandgrafschaft Thurgau im 16. und 17. Jahrhundert",wofür ihn die philosophische Fakultät Bern mit derDoktorwürde beehrte; seine Geistesart giebt sich in derEinleitung kund, wo er gegenüber der öffentlichen Er-klärung der Eidgenossen von 1526: „Uns gezimmt nit,Jemandt von seinen Friheiten, Rechten und Gerechtig-keiten, so er erkauft, Ererbt oder sunst aus RechtmäßigemGrundt an ihn kommen und Einer mit Briefen, Siglenund anderer genügsamer Gewarsami beweisen mag, ohneRecht davon zu trängen" — die Frage stellt: „Wo bleibtder Staat, wenn von Oben herab die Auflösung des po-litischen Lebens in unzählige Sonderinteressen begünstigtwird?" — Eine Frage, die auch heut zu Tage noch er-laubt wäre! — Alsdann fing er in freier Stellung an,in der „Thurgauer Zeitung" die Tagesfragen in frei-sinniger und maßvoller Weise zu besprechen und gab soden Beweis, daß er für Journalistik eine ausgezeichneteBegabung besitze.
Persönliche Motive, die in einem Cyklus von Gedichtenniedergelegt sind, zogen ihn nach Zürich. „Die Wellendes Meeres rauschen Voll Sehnsucht dem Ufer zu, Siemöchten so gerne küssen Die Blumen über dem Strand;— Die armen Wellen! — und müssen Versiegen imheißen Sand."