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Andachts-Buch für Erbauung suchende Christen ohne Unterschied der Religion und ihrer Bekenntnisse zur Feyer der Charwoche
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56
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86 Vierte Betrachtung.

da ein Engel vom Himmel kommen und ihn stär-. den mußte. In welcher Bangigkeit muß er sichda befunden, welche Nerven erschütternde Vorstel-lungen mußten sich seiner bemächtiget haben!

Und was muß da in seiner Seele vorgegangenseyn, was muß er in dem innersten derselben em-pfunden/ gefühlt, gelitten haben, wie jammervollmuß es in derselben ausgesehen haben, da Er, derdurch sein ganzes Leiden unter den Händen derUngerechten, so peinlich, so empfindlich, so durch-dringend und Seeleinschneidend sie waren, nicht !die mindeste Klage von sich hören ließ, auf ein- ^

mal mit starker Stimme am Kreuze ausrief : mein i

Gott, mein Gott, wie sehr haft du mich ver-lassen ! Diese Klage des sterbenden Jesu am >

Kreuze verdienet es wohl, daß wir ihr näher !

nachdenken.

So klagt der, der mehr als irgend ein Mensch ^unbeweglich an Gott hieng, der mit unerschütter- jlichem Vertrauen sich auf ihn verließ, der felsen-fest von der Obsorge des himmlischen Vaters selbstsür das unbedeutendste Geschöpf überzeugt war,der kurze Zeit vorher noch bey dem Gedanken,daß ihn nun bald alle seine Jünger verlassen wer-den, damit sich aufrichtete: ich bin doch nichtallein, der Vater ssr bey mir, der am Kreuzeselbst noch Gott seinen Vater nannte. Dieserklagt über Verlassnng von Gott. In welch einenahmenlose Seclenangst und Bangigkeit mußteer versunken seyn, als sein gepreßtes Herz ihmdiese Klage abdrang!

Alle die schrecklichen Qualen, die er in Geth-femane fühlte, kamen dieser Beängstigung langenicht gleich. Dort konnte er Gott -och noch sei-nen Vater nennen; aber nun vermochte er selbstdas nicht mehr. So wie von aussen die Sonne

auf