373
Ungarn trifft, durch eine größere Rührigkeit und Betriebsamkeit. Ein großerTheil ihres Landes ist von der Natur wenig begabt, aber sie wissen das, wasihnen hierin versagt ist, durch ihre Betriebsamkeit zu ersetzen. Ihre Dörfersind zwar nicht ganz so gut und nett gebaut, wie die der Sachsen, habenaber bei weitem den Vorzug vor denen der Wallachen, auch stehen sie imAckerbau diesen weit vor, obgleich die Sachsen sie wieder in rationellem Be-triebe übertreffen. Persönlicher Muth ist eine Haupttugcnd dieses Volks-stammes, was wohl in ganz Europa bekannt ist, da die hier gebildeten Grenz-regimenter schon oft genug in den Kriegen, welche Oesterreich führte, ihreTapferkeit gezeigt haben.
Der polnische Bauer.
Von den polnischen Bauern kann man insofern sagen, daß in ihnen eingesunder und tüchtiger Kern sich erhalten hat, als sich durch ihre Lebenssittenund ihren Charakter noch ein biederes religiöses Element hindurchzieht, dasin dem so sehr verderbten vornehmen und aristokratischen Theil dieses Volkssich immer mehr abgeschwächt hat. Im Krakauischen sind zwar die Bauernemanzipirt, das heißt, sie sind von der Leibeigenschaft frei geworden, aberdiese Befreiung hat auch hier ihre Zustände um nichts gehoben und ihnenweder zu einer menschlichen Veredelung ihres rohen Kerns noch zu einer,Anerkennung als eines organischen Bestandtheils der Nation verhelfen. DerBauer ist in Polen ein-em durchaus thierischen Zustand überliefert, dessenSchmutz ihm aber seine natürliche gute Laune gar nicht verdorben hat. Viel-mehr hat er sich in diesem Schmutz mit so vielem Behagen, frohem Humorund einer gewissen Gemüthlichkeit eingerichtet, daß man es als einen Beweisvon seiner ursprünglichen edeln Naturkraft an ihm anerkennen muß, wennman sieht, was er in einem solchen Leben, wie er es führt, geblieben ist,nämlich ein kräftiger, moralisch unverdorbener, frohsinniger und selbst geistigaufgeweckter Sohn der Natur. Die Emanzipation des krakauischen Bauernhat auch in gewisser Beziehung ihre Früchte getragen und ihn hier und dazu einer größeren industriellen Betriebsamkeit angestachelt, die vielleicht denUebergang zu einer allgemeineren Ausbildung und Entwicklung bei ihm legt.Im Ganzen hat er jedoch bei einer solchen Emanzipation, die nur negativwirkt und nichts Positives schafft durch Erziehung und Gewährung politischerRechte, an Lebenöbehagen eher verloren als gewonnen. Deßhalb haben auchbereits in mehreren Herrschaften von Krakau die Bauern darum nachgesucht,