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Charakteristische Thierzeichnungen zur unterhaltenden Belehrung für Jung und Alt / Hrg. von Dr. Rudolph Meyer ; [Ill.:] Martin Disteli
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Mutter nach, arglos, wie ein Kind von Engeln behütet.Die Gemse geht von Weide zu Weide, im Winter inden Wald, des Sommers zu den Höhen, und wo mit-ten im ewigen Eis Blumen den Felsen bekleiden, weißsie ihn zu finden. Die Gemsen regieren sich selber;halten so treulich zusammen. Unter Sprüngen undSpielen klettern sie der erfahrnen Führerin nach. Sie,immer achtsam, wenn ihre Herde weidet, ruhet nur,wenn diese wacht. Auf jedes Lüftchen achtet sie, warntvor jeder Gefahr, leise erst und springt zur Seite,späht mit scharfem Blick umher, und hat sie den Jägergeschaut, dann ruft sie mit Hellem Pfeifen die Gefährtenund blitzschnell entflieh'n sie, setzen über Felsen undBäche, und über den Grath ins sichere Gletscherthal,wo, in Trümmer zerrissen, Walle und Graben demFeinde Pforten deS Todes geöffnet halten.

Und leicht wie ein Adler, behend wie das Eichhorn,flüchtig und kraftvoll wie ein Hirsch, ist die Gemse; ge-streckt ihr brauner Leib und schlank der Hals, starkdie Beine, nervig die Füße; so spitz, so leicht derKlauenhuf, und so sichermnd fest ihr Tritt. Klar undmilde, scharf und klug, ist der Blick ihres großenAuges, öaS rege, leichte Ohr faßt scharf den Laut,und sie wittert den Feind, bevor sie ihn erblickt. Ihrekleinen, runden Hörner, über den Augen aufgestellt undrückwärts gebogen, sind furchtbare Waffen; mit gesenk-tem Haupte richtet sie ihre Spitzen gegen den Feind,