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schwerer Taler wäre kleiner gewesen als die groben Silbersorten aller andern Länder. Livrede France war seit 1726 der sechste Teil vom Laubtaler gewesen. Indem man nun denFranken zum fünften Teil des leichtern neuen Talers machte, gewann man zweierlei: Manerhielt als neue Livre de France einen Wert, der mit der alten fast übereinstimmte, undman hatte in 5 eine ins Dezimalsystem passende Zahl. Die Verhältnisse waren mächtigerals die neuen Ideen. Es war unmöglich, das Gramm oder das Dekagramm Silber als Münz-einheit zu wählen. La loi du 20 ventöse an IV (10. März 1796) schuf den „Fünflivres“und damit auch die schweizerische Münzeinheit vom Jahre 1850. Wir haben früher ge-sehen, daß der Sixlivres oder Laubtaler die Kantone veranlaßte, Stücke zu 40, 20 und 10Batzen zu schlagen; ganze, halbe und Vierteltaler; Stücke zu 4, 2 und 1 Schweizerfranken.Dem Fünflivres verdanken wir die Stückelung 5, 2 und 1, Stücke zu 5, 2 und 1 neuenFranken, und diese ist jetzt die verbreitetste im modernen Münzwesen (ProgrammarbeitFrühling 1916, Seite 107 bis 118).
6. Die französische Prägetabelle 1796 bis 1860 und ihre Bedeutungfür die schweizerische Münzeinheit.
Die untergeordnete Stellung, welche die Goldmünzen im Verkehr hatten, ist ihnenein halbes Jahrhundert lang geblieben. Den französischen Münzstätten wird von den Privatenimmer viel mehr Silber als Gold zur Prägung übergeben. Das zeigt sich namentlich deutlichbei den Beträgen, welche in den letzten zwei Dezennien unter Louis Philippe dem Verkehrübergeben wurden. Die Totalsummen sind im Jahre 1850 nicht mehr vorhanden gewesen;aber sehr viel kleiner müssen wir den Bestand des französischen Münzkapitals nicht annehmen.Der Silberexport nach Ostasien begann erst nach der Mitte des Jahrhunderts. Es muß sehrauffallen, daß Belgien im Zeitraum von 18 Jahren kaum soviel Silberteilmünzen geprägthat, als die Schweiz bei der Münzreforn im Laufe eines Jahres. Belgiens Münzgesetz vom5. Juni 1832 stimmt vollständig mit dem französischen Münzgesetz vom Jahre 1803 überein,alle Bestimmungen über Gold-, Silber- und Bronzemünzen wie bei Frankreich . Von denSilbersorten hat Belgien nur das 5-Frst. in bedeutender Menge geprägt. Das ehemaligeKönigreich Sardinien (Hauptstadt Turin ; dazu gehörten 1850 auch Savoyen und Nizza ) hatteschon im Jahre 1827 die französische Frankenwährung (die Lira nuova) eingefühi-t und schonseit 1816 wiederholt Stücke zu 5 Lire nuove geprägt. Im Herzogtum Modena rechnete manseit 1808 und im Herzogtum Parma seit 1809 nach französischen Franken. Die Verordnungdes Bundesrates vom 16. Januar 1852 fällt in eine Zeit, wo viele Gemüter ängstlich warenund wo die Gegner des neuen Systems prophezeiten, es werde unmöglich sein, für die neueWährung die nötige Geldmenge herbeizuschaffen. Der Bundesrat hat darum in der Verordnungalle Staaten aufgezählt (bestehende und nicht mehr bestehende), welche seit dem Anfangdes Jahrhunderts in Übereinstimmung mit den französischen Münztypen geprägt hatten. Wirhaben im Laufe der Jahrzehnte unter den bei uns zirkulierenden Silbertalern immer ziemlichviele mit sardinischem und belgischem Gepräge gefunden; nie aber sind uns Stücke der andernArten in die Hände gekommen. Interessant wäre es, wenn die erste Prägungstabelle voll-
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