Vermutung liegt nahe, dass die Sage Anfang und Ende derSache zusammengewürfelt hat, dass also just ums Jahr 1240der Gewerb von Como aus der Lombardei nach Zürich ge-kommen ist, anstatt von hier dorthin zu ziehen. Dies würde mitder Geschichte der Seidenindustrie überhaupt übereinstimmen
Die uns vorliegenden Urkunden sind schon seit langerZeit bekannt; ihnen verdanken unsere Geschichtsforscher diewesentlichsten und wertvollsten Beiträge zur Kenntnis Zürichs im XIII. und XIV. Jahrhundert. Nach ihrer industriellenSeite sind indessen diese Urkunden, so viel uns bekannt,noch nie einlässlich gewürdigt worden. Wir versuchen dieszu tun, zunächst so weit es sich um die Seidenindustriehandelt, bemerken dabei indessen, dass auch die Urkunde,welche die Wolle- und Leinenmanufakiur behandelt, hohesInteresse bietet. Für Seide sind wir besonders günstig ge-stellt ; schon Schinz macht darauf aufmerksam, dass imJahr 1336 bei Einführung der Brun’schen Verfassung einzigdas Seidenhandwerk als solches bestehen blieb und seinebesondern Pfleger behielt, während alle übrigen Handwerkein Zünfte eingegrenzt wurden. Schinz meint, es sei dieswahrscheinlich deswegen geschehen, weil Bürgermeister Brunan gar keinem andern Orte ein zunftmässiges Seidenhandwerkangetroffen habe; wir fügen bei, wohl auch deswegen, weildas Seidenhandwerk zum grossen Teil von Frauen betriebenwurde, die in keinen Zunftverband passten.
Dieser Sonderstellung des Seidenhandwerks verdankenwir eine Reihe von Regierungserlassen, welche durch das