Buch 
Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
Entstehung
Seite
25
JPEG-Download
 

Die Eiszeit oder das Diluvium.

2 5

europa sich eine Periode anschliesse, in welcher grosse Teile desLandes ein tundrenartiges Aussehen hatten, wie Fauna und Florabezeugen. Später folgte eine Steppenzeit mit einer Tierwelt, wiesie gegenwärtig in den russisch-sibirischen Waldsteppen heimisch ist,mid endlich erschien die heute noch existierende Wald- (undWeide-) Fauna.

Charaktertiere der Zeit der Tundren sind besonders die Lemminge,die einst über ganz Centraleuropa verbreitet waren. Lemmingsrestefanden sich z. B. bei Thiede (Thüringen ) in Ablagerungen, die maneiner Interglacialzeit zuschreibt. Neben denselben erscheinen Moschus-ochs, Ren, Vielfrass, Schneehase, veränderlicher Hase (Lepus varia-bilis), Hermelin, Schneehuhn u. s. w. An pflanzlichen Resten wurdenjenen Ablagerungen entnommen: Zwergbirke (Betula nana), Polar-weide, Uryas octopetala u. a. m.

Für die sogen.Steppenzeit sind vor allem die Springmäusecharakteristisch. Der grosse Pferdespringer, der in den diluvialenAblagerungen von Westeregeln in Norddeutschland sehr häufig er-scheint, ist leicht zu erkennen und führt sozusagen keine Wande-rungen aus. Er kann darum alsLeitfossil für die Zeit der Steppenoder besser der Waldsteppen angesehen werden, ebenso der Zwerg-Pfeifhase, gleichfalls ein sesshaftes Tier. Daneben kommen in Be-tracht das Steppen-Murineltier (Bobak), das rötliche Ziesel undeinige Wühlmäuse. Ein echtes Steppentier ist das Wildpferd,ebenso der Dschiggetai oder Wildesel und die Saiga-Antilope, dieeinst bis nach F'rankreich hinein verbreitet war. Wenn in mehrerenFundorten neben diesen Tieren auch Reste von Elephas primigenius(Mamut) und Rhinoceros tichorhinus vorkamen, so lässt sich dasleicht erklären, denn das letztere liebte offenbar die Steppe und dasMamut verschmähte sie so wenig, als der Urstier.

Repräsentanten der Waldfauna sind besonders Isdelhirsch undFeh, Eichhorn, Baummarder, Wildkatze, Luchs und Wildschwein.Mit dem vorwiegenden Auftreten dieser Tiergesellschaft treten wir,geologisch gesprochen, in die Jetztzeit ein.

C. Ursachen der Eiszeit und Alter derselben.

i. Ursachen der Eiszeit. Nachdem die Eiszeit als solche erkanntund in vielen Teilen der Erdoberfläche nachgewiesen war, fragteman nach den Ursachen dieser merkwürdigen Erscheinung. Amnächsten lag es, eine andere Verteilung von Land und Wasser, die jain frühem geologischen Epochen thatsächlich vorhanden war, als Ur-sache der Fliszeit anzunehmen. Gewiss würde die 1 emperatur West- und