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Urgeschichte der Schweiz / Jakob Heierli
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Erstes Kapitel.

hinzieht. Heim verglich nun die Deltas der Muotta und der Reuss untereinander und mit den beiderseitigen Sammelgebieten. DieSand- und Schlammmassen, welche die beiden Flüsse jährlich inden Vierwaldstätter See führen, stehen in direkter Proportion zurAusdehnung der zugehörigen Sammelgebiete und sind umgekehrtproportional zur Grösse der Ablagerungsflächen. Mit Berücksichtigungder Fehlerquellen haben Heim und Wehrli herausgerechnet, dassseit dem Beginn der Bildung des Muottadeltas, also seit dem defini-tiven Rückzug der Gletscher, ca. 16000 Jahre verflossen sind.

Nehmen wir an, seit der letzten Eiszeit seien ver-gangen .1500020000 Jahre

und rechnen wir für die zweite Interglaciärzeit nur 5 000 Jahre

für die zweite Glacialzeit wieder ca.20 000 Jahre

für die erste Interglaciärzeit, die mindestens sechs-mal länger dauerte als die zweite (nachden Erosionen zu schliessen). . . . 30000 Jahre

für die erste Glacialzeit wieder.20000 Jahre

so erhalten wir für die Zeit des Diluviums annähernd 100000 Jahre.

Es werden diese Zahlen durch ähnliche Berechnungen ananderen Schweizer Seen gestützt. Sie können, das liegt in der Naturder Sache, kein genaues Resultat, sondern wollen nur einen un-gefähren Begriff geben vom Alter der Eiszeit. Bemerkenswert istimmerhin, wie sehr die hier angegebenen Zahlen an Grösse hinterden früheren zurückstehen.

Wenn also der Mensch in gewissen Teilen Europas , z. B. inFrankreich , bei Beginn der Eiszeit lebte, so müsste nach diesen Be-rechnungen unser Geschlecht daselbst schon vor ca. 100000 Jahrenexistiert haben.

D. Die ältesten Spuren des Menschenln der Schweiz .

1. Geschichte des Diluvialmenschcn. Im Jahre 1577 kamenbeim Dorfe Reiden im Kt. Luzern unter einer vom Sturm ent-wurzelten Eiche riesige Knochen zum Vorschein. Sie wurden nachLuzern gebracht. Dort sah sie einige Jahre später der berühmteArzt Pei.ix Platter, der sie für Gebeine eines Riesen hielt. Ernahm nachher in Basel eine genauere Untersuchung des Fundes vorund wurde in seiner Ansicht bestärkt. Im Anfang des XVIII. Jahr-hunderts waren nur noch 3 Riesenknochen in Luzern zu sehen.Der Züricher J. J. Scheuchzer , der alsVater der Paläontologie